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Thrombozytenaggregationshemmer und gerinnungshemmende Medikamente beeinflussen das Ergebnis bezüglich der Sehschärfe bei exsudativer AMD in der BRAMD-Studie nicht.

In letzter Zeit haben mehrere populationsbasierte Studien eine mögliche Assoziation von Aspirin mit einem erhöhten CNV-Risiko bei AMD postuliert. Die Ergebnisse sind jedoch nicht eindeutig, da die randomisierten Studien und Met-Analysen nicht aussagekräftig und überzeugend genug waren.

Ziel dieser Studie war es, den Einfluss von Thrombozytenaggregationshemmern oder Antikoagulanzien (AP/AC) bei Patienten mit bereits aktiver neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration (N-AMD) auf die Sehschärfe zu bestimmen. Die Beobachtungszeit lag bei 12 Monaten unter monatlicher Anwendung bei anti-VEGF-Injektionen (Ranibizumab, Bevacizumab). 330 Augen von 330 Patienten mit aktiver n-AMD aus der BRAMD-Studie (eine Vergleichsstudie zwischen Bevacizumab und Ranibizumab in den Niederlanden) wurden daher in einer retrospektiven Analyse untersucht.

Insgesamt verwendeten 40,9 % der Patienten AP/AC-Medikamente, in 73,3 % handelte es sich dabei um Aspirin. Die AP/AC-Einnahme war nicht mit einer Sehverschlechterung (korrigierte Odds Ratio [OR] 0,79; 95 %-Konfidenzintervall [CI] 0,43-1,44) oder schwerer Sehverschlechterung (adj. OR 0,75; 95 % CI 0,40-1,43) assoziiert. Patienten unter AP/AC zeigten vergleichbar häufig Blutungen (27 % gegenüber 32 %, P = .32).

Ähnliche Ergebnisse wurden gefunden, wenn die Analyse auf Aspirin-Anwender beschränkt wurde.

Weitere Daten dazu werden von der groß angelegten, noch laufenden Studie “ASPRirin in Reducing Events in the Elderly” (ASPREE) erwartet, die die Anwendung von niedrig dosiertem Aspirin als primäre Prävention gegenüber den Risiken bei älteren Patienten abwägen soll.

Buitendijk GHS et al, Am J Ophthalmol. 2018 Mar;187:130-137

Stellenwert der selektiven Lasertrabekuloplastik (SLT)

Die selektive Lasertrabekuloplastik hat sich in den letzten Jahren als eine Standardtherapie zur Behandlung des Glaukoms etablieren können. SLT kann in den meisten Formen des Offenwinkelglaukoms und bei okulärer Hypertension angewendet werden. Im Gegensatz zur ALT (Argon-Lasertrabekuloplastik), kann man die SLT wiederholt anwenden und sie benötigt nur einen Bruchteil der Energie im Vergleich zur ALT (weniger als 0.1%). Die SLT hat keinen nachweisbaren Einfluss auf andere Behandlungswege des Glaukoms (wie z.B. Augentropfen). Komplikationen sind insgesamt selten, es geht dabei um Druckspitzen, Hornhautnarben oder –dekompensation bei Endothelzellschaden und zystoides Makulaödem.

 

Wichtige Fakten:

  • Die Anwendung der SLT hat ein geringes Risiko
  • Die SLT ist genauso effektiv wie die Argon-Lasertrabekuloplastik (ALT)
  • Bei Wiederholungsanwendung ist der Effekt genauso groß wie beim ersten Mal
  • Im Vergleich zur ALT erzeugt die SLT keinen thermischen Gewebeschaden
  • SLT ist eine gute Option für Patienten mit schlechter Adhärenz oder Patienten, die unter Nebenwirkungen einer lokalen Therapie leiden
  • Sie ist auch noch in der Erforschung, als zukünftig etablierte Option zur Therapie der ersten Wahl, um den Augeninnendruck zu senken
  • Der drucksenkende Effekt nach Lasertherapie stellt sich erst nach Wochen ein
  • Betrug die Erfolgsrate nach einem Jahr bei der SLT 68% und ALT 54%, lag sie nach 3 Jahren bei der SLT bei 46 % und bei der ALT bei 30 %. Nach 5 Jahren betrug die Erfolgsrate bei der SLT noch 32 % und bei der ALT 31 %.

 

Schlote T. Stellenwert der selektiven Lasertrabekuloplastik, Klin Monatsbl Augenheilkd 2017; 234: 1362–137

Retinopathia centralis serosa – welche Faktoren beeinflussen die Krankheitsdauer?

Ziel dieser observativen, prospektiven Single-Center-Studie war es, die Bedeutung von okulären Befunden und systemischen Faktoren auf die Dauer und Erholung einer erstmals aufgetretenen, therapienaiven, akuten RCS-Episode zu untersuchen.

Da seröse Netzhautablösungen bei den meisten akuten RCS Fällen innerhalb von sechs Monaten spontan abklingen, wird im Allgemeinen zunächst ein Zuwarten ohne Therapie empfohlen. Je länger die Restitutio dauert, desto länger bestehen Symptome, obwohl der Zeitpunkt bzw. die Grenze, wann ein dauerhafter funktioneller Schaden eintritt, noch nicht eindeutig definiert werden konnte.

Könnte man diese Schwelle genauer eingrenzen, wäre es leichter den optimalen Behandlungszeitpunkt für chronische Fälle festzulegen, da mehrere Behandlungsoptionen (Photokoagulation extramakulärer Leckage-Punkte durch Argon- oder Mikropulslaser, Halbdosis- oder Halbfluenz- Photodynamische Verteporphin-Therapie (PDT), oral verabreichte Mineralocorticoid-Rezeptor (MR) -Antagonisten) verfügbar sind.

31 Patienten wurden in diese Studie eingeschlossen (26 Männer, 5 Frauen, Durchschnittsalter: 40,0), von denen es bei 26 (84%) innerhalb von 6 Monaten zu einer spontanen Rückbildung kam.

Faktoren, die mit einer längeren Episodendauer assoziiert waren:

• höhere subfoveale Aderhautdicke

• höhere Elevation der RPE-Läsionen an Leckage-Punkten

• höheres Alter

Das Indocyaningrün-Angiographiemuster, die Kortikosteroidaufnahme und der arterielle Blutdruck zeigten keinen Einfluss auf die Krankheitsdauer der RCS.

Alejandra Daruich et al, RETINA 37:1905–1915, 2017

Welche Risikofaktoren für einen progredienten Gesichtsfeldverlust konnten mit FD-OCT in der Advanced Imaging for Glaucoma Study extrapoliert werden?

  • Multizentrische Kohorten-Studie mit 288 Studienaugen
  • 30% der Studienaugen zeigten unter drucksenkender Therapie über einen Zeitraum von 3,7 ± 2,1 Jahren einen progredienten GF-Verlust
  • Folgende 2 Basis-Parameter im FD-OCT konnten als Werte mit prädiktivem Wert bzgl. fortschreitender GF-Ausfälle ermittelt werden: NFL-FLV (nerve fibre layer -focal loss volume), GCC-FLV (ganglion cell complex- focal loss volume.“
  • Auffällige GCC-FLV bei der Basisuntersuchung erhöhten das Risiko einer GF-Verschlechterung signifikant (hazard ratio 3,1)
  • Parameter des Sehnervens zeigten als prädiktiver Wert keine statistisch auffällige Korrelation.

Am J Ophthalmol 2016; 172:94–103, Baseline Fourier-Domain Optical Coherence Tomography Structural Risk Factors For Visual Field Progression In The Advanced Imaging For Glaucoma Study, Xinbo Zhang, Anna Dastiridou, Brian A. Francis, Ou Tan, Rohit Varma, David S. Greenfield, Joel S. Schuman, Mitra Sehi, Vikas Chopra, and David Huang, on behalf of the Advanced Imaging For Glaucoma Study Group

Kanalikuläre Tränenwegverletzung: früh oder spät operieren?

Die Verletzung des kanalikulären Tränenweges wurde lange Zeit als ophthalmologischer Notfall angesehen; eine angestrebte Rekonstruktion innerhalb von 48 Stunden gilt vielerorts als ungeschriebenes Gesetz.

Ziel dieser Studie war es herauszufinden, inwieweit eine verzögerte operative Versorgung das Endergebnis beeinflusst. In dieser retrospektiven Studie wurden diesbezüglich 334 Patienten untersucht. Es wurden dazu zwei Gruppen gebildet: in Gruppe 1 wurden Patienten zugeteilt, die innerhalb von 48 h nach Trauma operiert werden sollten, in Gruppe 2 diejenigen, die später als 48 h operativ versorgt wurden. Grund für einen verzögerten Eingriff war, dass die Patienten aufgrund verschiedener Ursachen nicht gleich operationsfähig waren.

Es wurden im Anschluss die anatomischen postoperativen Ergebnisse der zwei Gruppen verglichen. Unter den 301 Patienten gab es 23 Fälle (7,6 %) mit einem fehlgeschlagenen Operationsergebnis in der „innerhalb von 48 Stunden“-Gruppe und 3 fehlgeschlagene Fälle bei 33 Patienten (9,1 %), die später als 48 Stunden operiert wurden (P = .732). In beiden Gruppen betrug die durchschnittliche Operationszeit ca. 1 Stunde ohne signifikanten Unterschied.

Eine aufgeschobene Versorgung eines Tränenwegabrisses bei instabilen Patienten führt nicht zu schlechteren postoperativen Ergebnissen; eine OP innerhalb der ersten Woche ist ohne Qualitätseinbuße des postoperativen Ergebnisses möglich, da die Wunde in diesem Zeitraum nicht völlig verheilt ist und Wiedereröffnen der Granulationsränder nicht schwierig ist.


Chu YC, Am J Ophthalmol. 2017 Oct;182:155-159

Vergleichende Analyse der Sicherheit und Wirksamkeit von intrakameralem Cefuroxim, Moxifloxacin und Vancomycin am Ende der Kataraktoperation: Eine Meta-Analyse

Obwohl die intrakamerale Verabreichung von Antibiotika weitgehend üblich ist, gibt es keinen Konsens über die beste prophylaktische Therapie oder den Verabreichungsweg, eine postoperative Endophthalmitis (POE) zu vermeiden. Ziel dieser Studie war es, die Sicherheit und Wirksamkeit von intrakameralem Cefuroxim (ICC), Moxifloxacin (ICM) und Vancomycin (ICV) als prophylaktische Therapie zur Prävention von POE zu bewerten. Die Autoren führten eine systematische Überprüfung und Meta-Analyse der relevanten Literatur durch. Als primäres Ergebnis wurde die Inzidenz einer Endophthalmitis nach Katarakt-Chirurgie definiert. Es wurden 17 Studien mit insgesamt 900000 Teilnehmern eingeschlossen, in denen am Ende der Katarakt-Operation ein intrakamerales Antibiotikum eingesetzt wurden. Die durchschnittliche postoperative Endophthalmitis-Inzidenzrate nach intrakameraler Gabe von Cefuroxim, Moxifloxacin und Vancomycin lag bei 0,0332 %, 0,0153 % und 0,0106 %. Sekundäranalysen zeigten keinen Unterschied in der Wirksamkeit zwischen intrakameralen plus topischen Antibiotika gegenüber intrakameraler allein (P > 0,3), somit könnten IC-Antibiotika allein genauso wirksam sein wie IC plus postoperative topische Antibiotika; jedoch fehlt ein direkter Vergleich und die Uneinheitlichkeit der topisch angewendeten Antibiotika lässt einigen Interpretationsspielraum zu. Weiterhin zeigten diese Daten, dass die Anwendung von ICV, wenn auch sehr selten, mit einer hämorrhagischen okklusiven retinalen Vaskulitis (HORV) assoziiert sein kann. Bei Anwendung von ICC zeigten sich minimale toxische Ereignisse bei Standarddosen. ICM war das bezüglich der Sicherheit am besten untersuchte Antibiotikum und zeigte bei allen untersuchten Konzentrationen ein niedriges Toxizitätsprofil.


Bowen RC1, Zhou AX2, Bondalapati S et al. Br J Ophthalmol. [Epub ahead of printt, doi: 10.1136/bjophthalmol-2017-311051.

Neue klinisch relevante Erkenntnisse des Diabetic Retinopathy Clinical Research (DRCR) Network

Der Sinn dieser Übersichtsarbeit besteht darin, neueste klinisch relevante Ergebnisse DRCR Netzwerkes vorzustellen, die bei der Behandlung des diabetischen Makulaödems (DME) oder der proliferativen diabetischen Retinopathie (PDR) hilfreich sein könnten:

Bei Augen mit DME und einer Sehschärfe von 20/50 oder schlechter zeigte Aflibercept im Durchschnitt eine deutlichere Verbesserung der Sehschärfe über 2 Jahre im Vergleich zu Bevacizumab oder Ranibizumab. Aflibercept zeigt im Vergleich zu Bevacizumab oder Ranibizumab bei Patienten mit PDR und einer Sehschärfe beeinträchtigendem DME zu Beginn der Studie ein besseres Ansprechen bezüglich der Schwere der Retinopathie. Bei Augen mit persistierendem zentralen Makulaödem, die bereits mindestens sechs Injektionen mit Anti-VEGF erhalten hatten, wurde kein Unterschied in der Zunahme des durchschnittlichen Sehvermögens bei Augen beobachtet, die entweder fortgesetzte Ranibizumab- und Scheininjektionen im Vergleich zu Ranibizumab und intravitreales Dexamethason-Implantat erhielten. Dies gilt insbesondere für phake Augen. Bei Augen mit PDR zeigte Ranibizumab im Vergleich zur panretinalen Photokoagulation eine niedrigere mit PDR assoziierte Komplikationsrate, insbesondere bei Augen, die Ranibizumab (bei zentralem DME) bis zum Studienbeginn noch nicht erhalten hatten. Ranibizumab ist kosteneffektiv für die Behandlung der PDR bei Augen mit Visus-beeinträchtigendem, zentral-involviertem DME, jedoch nicht ohne. Dies zeigt umso mehr eine Herausforderung bei der Wahl einer Therapie, wenn Sicherheits- und Wirksamkeitsergebnisse im Widerspruch zu Kosteneffizienz stehen.

Zusammenfassung: Aflibercept erzielt unter bestimmten Umständen bei der Anwendung für DME eine bessere Sehschärfe und ein besseres anatomisches Ergebnis als Bevacizumab oder Ranibizumab.Vor allem bei phaken Augen sind keine Vorteile bzgl. der Sehschärfe messbar, wenn bei persistierendem DME nach anti-VEGF-Injektionen intravitreale Kortikosteroid-Implantate hinzugefügt werden.


Krick, Tracy W.; Bressler, Neil M., Current Opinion in Ophthalmology: March 9, 2018 – Volume Publish Ahead of Print

Der Spiegel des zirkulierenden Serum-Fettsäure-bindenden Proteins 4 (FABP4) sagt die Entwicklung einer diabetischen Retinopathie bei Typ-2-Diabetikern voraus.

FABP4-Serumkonzentrationen werden mit Adipositas-assoziierten metabolischen und kardiovaskulären Störungen, Schlaganfall, T2DM und Gestations-Diabetes mellitus in Verbindung gebracht und haben sich als Marker für metabolische Risiken und metabolisches Syndrom etabliert.

Ein Zusammenhang zwischen FABP4-Blutkonzentrationen und mikrovaskulären Erkrankungen wie die diabetische Retinopathie (DR) wurde jedoch bisher nicht untersucht. In dieser Kohortenstudie wurde der Serum-FABP4-Spiegel bei Typ-2-Diabetikern ohne DR bei Erstvorstellung bestimmt, um einen möglichen Bezug von FABP4 zu einem erhöhten Risiko der Entwicklung einer DR innerhalb von 5 Jahren herstellen zu können. Insgesamt wurden 738 Patienten mit Typ-2-Diabetes ohne DR einbezogen und prospektiv nachuntersucht. Es folgte über 5 Jahre eine jährliche augenärztliche Kontrolle der Netzhautsituation. Während der Nachbeobachtungszeit entwickelten 20 % der Patienten DR und 8 % der Patienten Visus-beeinträchtigende DR (VTDR). Statistisch konnte eine positive Korrelation zwischen dem Serum-FABP4-Spiegel und der internationalen Skala für Klinische Diabetische Retinopathie-Schweregrade festgestellt werden. Nach Anpassung bezüglich anderer etablierter Risikofaktoren wurden in multivariaten Modellen, die das dritte und vierte Quartil mit dem ersten Quartil des FABP4 verglichen, FABP4-Werte mit Entwicklung einer DR assoziiert. Das bereinigte Risiko erhöhte sich um 124 % bzw. 227 %. In ähnlicher Weise stieg das bereinigte Risiko für die Entwicklung einer VTDR um 140 %, bzw. 278 %. Obwohl eine mögliche kausale Beziehung zwischen FABP4 und Entwicklung einer DR noch nicht klar ist, bestätigen die Autoren, dass FABP4 ein starker und unabhängiger prognostischer Marker für DR und VTDR bei Patienten mit Typ-2-Diabetes ist. Mögliche Mechanismen könnten sein: eine assoziierte Entzündung, oxidativer Stress, ein möglicher Einfluss von FABP4 auf Arteriosklerose und Insulinresistenz und ein in letzter Zeit postulierter durch FABP4-induzierter Stress für das endoplasmatische Retikulum. FABP4 zeigt das Potenzial, ein neuer Biomarker für DR-Vorhersage bei chinesischen Patienten mit T2DM sein zu können, wobei folgerichtig bei T2DM-Patienten mit FABP4 Werten im höchsten Quartilenbereich eine strikte glykämische Kontrolle und häufigere Netzhautuntersuchungen empfohlen werden.


Zhang XZ, Tu WJ et al, AM J Ophthalmol . 2018 Mar;187:71-79.

Hilft Magnesium gegen nächtliche Wadenkrämpfe?

Trotz mangelnder Evidenz wird Magnesium für die Prophylaxe von nächtlichen Wadenkrämpfen flächendeckend eingesetzt. Diese randomisierte, doppelt-verblindete und Placebo-kontrollierte Studie befasste sich mit der Fragestellung, ob die Verabreichung von Magnesiumoxid einen positiven Einfluss auf nächtliche Wadenkrämpfe im Vergleich zu Placebo hat.

Ergebnis: in den beiden Gruppen gab es keine Unterschiede, was sowohl die Heftigkeit und Dauer der Wadenkrämpfe, wie auch Schlaf- und Lebensqualität betrifft.


Roguin Maor N et al, JAMA Intern Med. 2017 May 1;177(5):617-623. Effect of Magnesium Oxide Supplementation on Nocturnal Leg Cramps: A Randomized Clinical Trial.

Was bedeutet das neuro-okulare Syndrom bei Astronauten für die bemannte Raumfahrt?

Bei Astronauten der International Space Station (ISS) wurden Veränderungen der Augen festgestellt, die Bedenken aufkommen lassen, was zukünftige Weltraummissionen zum Mars und anderen Zielen betrifft. Bisher nicht beschriebene pathologische, systemische und neuro-ophthalmologische Reaktionen wurden erstmals bei Astronauten während und nach Langzeit-Raumflügen beschrieben. Zu der komplexen Klinik des Space Flight-Associated Neuro-Ocular Syndroms (SANS) gehört ein- oder beidseitiges Papillenödem, Bulbusabflachung, Aderhaut- und Netzhautfalten, Hyperopisierung und Nervenfaserschicht-Infarkte. Das Syndrom teilt einige Ähnlichkeiten mit der auf der Erde bekannten Idiopathischen intrakraniellen Hypertension, während gleichzeitig dafür typische Symptome wie beidseitiges Auftreten, chronische Kopfschmerzen und Puls-synchronisierter Tinnitus fehlen. Eine Hypothese versucht SANS durch eine Verschiebung der cerebro-spinalen Flüssigkeit in der Schwerelosigkeit zu erklären. Jedoch sind die Veränderungen individuell sehr verschieden, treten meistens relativ rasch nach dem Start auf, schreiten langsam voran und korrelieren in der Schwere mit der Dauer der Mission. SANS unterliegt weiterer Forschungsanstrengungen, insbesondere unter der Berücksichtigung kommender bemannter Missionen ins All, wie Reisen zum Mond oder Mars.


Space Flight-Associated Neuro-ocular Syndrome, Lee AG, JAMA Ophthalmol. 2017 Jul 20

Smartphones in der Augenheilkunde

Smartphones werden in den verschiedenen medizinischen Fachbereichen im klinischen Alltag zunehmend zu unterschiedlichen Zwecken verwendet. Einer der Gründe für diesen Boom ist die große Anzahl von medizinischen “Apps” oder Anwendungen, die meisten auf Englisch. Anwendungen wie Visus-und Farbsehtafeln, Pupillenmessgeräte, Fluoreszeinlicht und kleine Taschenlampenfunktion, pädiatrische Fixierungsziele, Amsler-Gitter und Rot-Entsättigungstests sind auf dem Smartphone verfügbar und können in Situationen verwendet werden, in denen eine Standarduntersuchung nicht ohne weiteres möglich oder verfügbar ist, wie zum Beispiel bei Patienten auf fremden Stationen oder im Notfallraum. Bei Anwendung dieser Apps sollt man sich darüber im Klaren sein, dass dies nicht unbedingt standardisierten Bedingungen entspricht.

Eine Alternative zu Geräten im Praxissetting bietet die Fotografie mit Smartphones. Es gibt durchaus Situationen, wie z. B. im Notfallraum, in denen das Smartphone zur Dokumentation eines Befundes wie Verletzungen, zur Vorderabschnittsdokumentation oder Fundusaufnahmen, ja sogar indirekter Ophthalmoskopie herangezogen werden kann.

Mit einem Fingerwisch können Sie Klassifikationen und Grading-Systeme wie die Kammerwinkelanatomie, Ausprägung einer Iritis, der diabetische Retinopathie, eines Makulaforamens, eines Sehnervödems oder Melanoms, ebenso wie Hinweise zu Medikamentenanwendungen, Dosierungen und Laborwerte haben. Kalkulatoren enthalten nützliche Anwendungen wie z. B. einen IOL-Rechner.

 

Nützliche Apps (teilweise Registrierung erforderlich):

  1. PubMed on tap- Pubmed und PubMed central als App für wissenschaftliche Referenzinformationen aus veröffentlichten Artikeln
  2. Diverse Amsler-, Gitter-, Ishihara-, Farbseh-oder Sehschärfen-Test-Apps
  3. Atlas of Ophthalmology by Onjoph for IOS – Atlas mit klinischen Bilder von Augenerkrankungen
  4. Eyetube – bietet kostenlosen digitalen Zugang zum weltweit größten Online-Video-Archiv für Augenärzte
  5. Eye Handbook – ist u.a. eine Referenz-App für Diagnosen und Therapien.
  6. Smart optometry – mit 16 kostenlosen interaktiven, präzisen und einfachen Augenuntersuchungen in 9 Sprachen
  7. Medscape – liefert schnelle und genaue klinische Antworten am Point-of-Care.
  8. Omnio – gibt Ihnen schnellen und einfachen Zugang zu wichtigen und relevanten medizinischen Informationen
  9. Axis assistant – nützlich für Markierung der Hornhaut bei torischen IOL
  10. Optodrum für IOS – ist ein einfach zu benutzender Ersatz für eine sperrige optokinetische Trommel
  11. Parks Three step – wird verwendet, um den paretischen Muskel bei erworbener vertikaler Diplopie zu isolieren.
  12. Google docs – zeitgleich mit anderen Dokumente erstellen und bearbeiten
  13. Genius scan – kann Dokumente unterwegs scannen und als JPEG- oder mehrseitige PDF-Dateien exportieren.

(Eigenrecherche VSE – subjektive Auswahl ohne Gewähr)

AAO 2017 Retina Subspecialty Day: DRCR.net – Vorstellung Protocol U

In dieser multizentrisch randomisierten Studie wurde der Effekt zur Behandlung des chronischen diabetischen Makulaödems zwischen einer Kombination aus einem intravitrealem Dexamethason Implantat (Ozurdex [DEX], Allergan) + Ranibizumab 0.3 mg (Lucentis, Genentech) vs. Ranibizumab als alleinige Therapie verglichen.

Der Begriff chronisches Makulaödem wurde folgendermaßen definiert: Mindestens 6 Monate vorhanden und Zustand nach initialen 3 anti-VEGF-Injektionen vor einer weiterführenden Therapie, die weitere 3 monatliche Injektionen beinhaltete. Die Patienten wurden entweder der Kombinations- oder Monotherapie-Gruppe per Zufall zugeordnet. Aufgrund der aktuellen Sehschärfe und der OCT-Aufnahmen wurde die Notwendigkeit einer weiterführenden Therapie entschieden. Als Baseline-Behandlung erhielten die Patienten die ihnen zugeordnete Therapie (also entweder Mono-oder Kombinationstherapie) aber bei Woche 4 und 8 erhielten beiden Gruppen nur Ranibizumab, falls die Re-Behandlungskriterien erfüllt wurden. Nach 12 Wochen erhielt jede Gruppe wieder ihre zugeteilte Therapie, falls nötig. In Woche 16, wurde eine Kombinationstherapie verabreicht, sofern dies nicht in Woche 12 angezeigt war. Wiederum aber wurde nur Ranibizumab in beiden Gruppen gespritzt, falls eine Therapie bei Woche 12 stattfand. In Woche 20 wurde die Kombinationstherapie angewendet, falls die zugteilte Gruppe noch keine zweite Kombinationstherapie erhalten hat, ansonsten erhielten sie Ranibizumab.

Insgesamt wurden 129 Augen bei 116 Patienten in dieser Studie randomisiert. Als „primary outcome“ wurde die Veränderung der Sehscharfe (gemessen in Buchstaben) bei Woche 24 definiert. Die Kombinationstherapie Dexamethason-Ranibizumab wurde in 95-96% an einem Tag durchgeführt, bei allen aber in der Zeitspanne von 0 bis 8 Tagen.

Primary outcome: In der Kombinationsgruppe wurde ein Anstieg um 2.7 Buchstaben im Vergleich zu 3 Buchstaben in der Ranibizumab-Monotherapiegruppe gemessen (P=0.73)

Secondary outcomes: In der Kombinationsgruppe (11%) erreichten mehr Studienteilnehmer einen Visusanstieg um 15 oder mehr Buchstaben als in der Monotherapiegruppe (2%) (P=0.03). Die zentrale Makuladicke schrumpfte in der Kombinationsgruppe um 110 mm, in der Monotherapiegruppe um 62mm (P>0.001).

Verbesserte Patientenversorgung durch einen selbst durchgeführten Sehtest zu Hause über eine App?

Die auf der diesjährigen Jahrestagung der American Academy of Ophthalmology vorgestellte Studie zeigt, dass Patienten mit AMD oder diabetischer Retinopathie, die eine mobile App zum Testen ihrer Sehschärfe zu Hause verwendeten, vergleichbare Ergebnisse wie die in der Praxis erhobenen Sehtests erzielten.

Die Checkup genannte App wurde entwickelt, um Patienten in die Gesundheitsbetreuung aktiv mit einzubeziehen. Ihre Aufgabe ist es, die eigene Sehschärfe so oft zu beurteilen, wie der behandelnde Augenarzt es empfiehlt. Die Ergebnisse des Tests werden in Echtzeit an ein sicheres cloudbasiertes Data Warehouse gesendet. Der Augenarzt kann die Ergebnisse dort einsehen und den Patienten kontaktieren, wenn er eine Verschlechterung des Sehvermögens feststellt. Die Patienten testeten mit der App ihre Sehschärfe zu Hause und wurden zum Vergleich dann in der Praxis erneut getestet.

Es gab eine starke Übereinstimmung zwischen den Ergebnissen für Sehschärfe und Amsler-Grid-Test der Checkup-App sowie den vom Augenarzt in der Praxis erhobenen Befunden. Alle Patienten berichteten, dass die App einfach zu benutzen sei.

https://www.prnewswire.com/news-releases/at-home-vision-monitoring-app-may-improve-patient-care-300554325.html

Retinopathia centralis serosa – welche Faktoren beeinflussen die Krankheitsdauer?

Ziel dieser observativen, prospektiven Single-Center-Studie war es, die Bedeutung von okulären Befunden und systemischen Faktoren auf die Dauer und Erholung einer erstmals aufgetretenen, therapienaiven, akuten RCS-Episode zu untersuchen.

Da seröse Netzhautablösungen bei den meisten akuten RCS Fällen innerhalb von sechs Monaten spontan abklingen, wird im Allgemeinen zunächst ein Zuwarten ohne Therapie empfohlen. Je länger die Restitutio dauert, desto länger bestehen Symptome, obwohl der Zeitpunkt bzw. die Grenze, wann ein dauerhafter funktioneller Schaden eintritt, noch nicht eindeutig definiert werden konnte.

Könnte man diese Schwelle genauer eingrenzen, wäre es leichter den optimalen Behandlungszeitpunkt für chronische Fälle festzulegen, da mehrere Behandlungsoptionen (Photokoagulation extramakulärer Leckage-Punkte durch Argon- oder Mikropulslaser, Halbdosis- oder Halbfluenz- Photodynamische Verteporphin-Therapie (PDT), oral verabreichte Mineralocorticoid-Rezeptor (MR) -Antagonisten) verfügbar sind.

31 Patienten wurden in diese Studie eingeschlossen (26 Männer, 5 Frauen, Durchschnittsalter: 40,0), von denen es bei 26 (84%) innerhalb von 6 Monaten zu einer spontanen Rückbildung kam.

Faktoren, die mit einer längeren Episodendauer assoziiert waren:

• höhere subfoveale Aderhautdicke

• höhere Elevation der RPE-Läsionen an Leckage-Punkten

• höheres Alter

Das Indocyaningrün-Angiographiemuster, die Kortikosteroidaufnahme und der arterielle Blutdruck zeigten keinen Einfluss auf die Krankheitsdauer der RCS.

Alejandra Daruich et al, RETINA 37:1905–1915, 2017

Lokaltherapie für Keratokonus erhält Orphan Status

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat für IVMED-80 zur Behandlung eines Keratokonus den Orphan-Drug-Status vergeben.

Dieses als Augentropfen verabreichte Medikament stellt die erste nicht-chirurgische, nicht-Laser-Behandlung zur mechanischen Vernetzung und Stabilisierung der Hornhaut dar. Im Gegensatz zum kornealen Crosslinking (CXL) stärken die Tropfen die Hornhaut biomechanisch minimal invasiv. Der Orphan Drug Act der FDA bietet einige Vorteile, die die Entwicklung von Behandlungen für seltene Krankheiten fördern sollen.

Körperliche Aktivität und Altersabhängige Makuladegeneration – eine systematische Literaturrecherche und Meta-Analyse

Ziel dieser systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse war es, die Assoziation von körperlicher Aktivität und altersbedingter Makuladegeneration (AMD), eine der Hauptursachen für irreversiblen schweren Visusverlust in Industrieländern, in der weißen Bevölkerung besser einordnen zu können- unter der Voraussetzung, dass ein gesunder Lebensstil das Auftreten und Fortschreiten einer AMD verzögern kann.

Neun Studien (Alter der Teilnehmer zwischen 30-97 Jahren) wurden in diese Meta-Analyse mit einbezogen. Körperliche Aktivität zeigte eine protektive Assoziation sowohl bezüglich der frühen als auch fortgeschrittenen AMD.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen die positive Auswirkung von körperlicher Betätigung und verstärkt die öffentliche Gesundheitsbotschaft, während des gesamten Lebens aktiv zu bleiben.

Myra B. Mcguinness et, Am J Ophthalmol 2017;180:29–38.

Die ISNT- Regel: Wie häufig trifft sie bei Sehnerven-Aufnahmen und retinaler Nervenfaserschicht–Messung in der Normalbevölkerung zu?

Durch die Analyse des neuroretinalen Randsaumes in Papillenfotografien von normalen Probanden veröffentlichten Jonas und Mitarbeiter 1988, dass die Randbreite des Opticus typischerweise ein spezifisches Muster des unteren (I) Randes zeigte, gefolgt von dem oberen (S) Rand und dann dem nasalen (N) Rand und dass dann sukzessive der temporale (T) Rand der dünnste sei. Dieses spezifische neuroretinale Randsaummuster wurde später von Elliot Werner als “ISNT-Regel” benannt.

Diese Studie versuchte den Prozentsatz normaler Augen, die der ISNT-Regel folgten, durch Sehnervenaufnahmen und RNFL-Dickenmessungen zu bestimmen sind und zweitens, ob andere Regeln besser anwendbar oder einfach zu verallgemeinern sind. Drittens wurde in dieser Studie im Rahmen der ISNT-Regel und ihrer Variante untersucht, eine wie starke Übereinstimmung zwischen der Beurteilung der Sehnervenfotografie bzgl. des neuroretinalen Randsaumes und RNFL-Dickenmessungen besteht.

Ein Hauptergebnis dieser Arbeit (die 110 gesunde Probanden einschloss) war, dass die ISNT-Regel nur für eine Minderheit von Augen Gültigkeit hat, d.h. nur 37% bei Sehnervenaufnahmen und 43,8% bei RNFL-Dickenmessungen. Insbesondere für die Einordung von Sehnervenaufnahmen, die wie eben erwähnt bei nur 37% zutraf, ist die ISNT-Regel niedriger als die zuvor berichteten Raten von 52% -79% in anderen Studien, die auch die neuroretinale Randsaumbreite unter Verwendung von Sehnervenfotografien in der Normalbevölkerung einschlossen.

Angesichts der Tatsache, dass die ISNT-Regel aufgrund von Variationen im nasalen neuroretinalen Randsaum zumeist nicht zutrifft, würde dies den Ausschluss des nasalen Randsaumes von der ISNT-Regel unterstützen, um für diese Regel in der Normalbevölkerung eine breitere Anwendung finden zu können.

Bei Ausschluss des nasalen Randsaumes folgten sowohl bei der Sehnervenfotografie wie auch der OCT-RNFL-Dickenmessung mehr als 70% der normalen Augen der IST – und IS – Regel (d.h. bei Sehnervervenfotografien zur neuroretinalen Randbsaumbeurteilung befolgten 70,9% die IST-Regel und 76,4% befolgten die IS-Regel. Bei RNFL-Dickenmessungen betrug die Rate 70,9%, die die IST-Regel befolgte und 71,8% für die IS-Regel.

Daher kommt diese Studie zu dem Schluss, dass die IST- und IS-Regel anstelle der ISNT-Regel für klinische Sehnervenuntersuchungen und für OCT-RNFL-Dickeninterpretationen verwendet werden sollte.

Linda Yi-Chieh Poon et al, Am J Ophthalmol 2017;184:19–27.

Strabismus Simulator

Dieser interaktive Strabismus Simulator wurde generiert, um grundlegende strabologische Untersuchungsmethoden zu lehren und üben zu können. In diesem Model werden einfache Schielformen dargestellt. 4 Untersuchungsmethoden können in diesem Test angewendet werden:

  1. Cover-Uncover-Test: Finde heraus, welches das dominante Auge ist und ob die Abweichung manifest ist oder nicht.
  2. Alternierender Cover-Test: Stelle die gesamte Abweichung fest: Tropie oder Phorie?
  3. Alternierender Cover-Test mit Prismen um das Ausmaß der Abweichung zu vermessen
  4. Simultaner Prismen-Cover-Test um den Anteil der Tropie alleine zu messen.

Dieser Simulator ist ein nettes kleines Spielzeug, um grundlegende Untersuchungsmethoden in der Strabologie aufzufrischen. Zu finden auf dem Web-Auftritt der AAO (vorgestellt von der Knights Templar Eye Foundation in the Pediatric Ophthalmology Education Center).

https://aao-resources-enformehosting.s3.amazonaws.com/resources/Pediatrics_Center/Strabismus-Simulator/index.html

Das Fortschreiten des Glaukoms aufdecken – ein Vergleich zwischen OCT und Gesichtsfeldanalyse

Die Untersuchung des Gesichtsfeldes (VF) ist für das Aufdecken eines funktionellen Verlustes beim fortschreitenden Glaukom von wesentlicher Bedeutung, ist jedoch subjektiv und hat eine schlechte Reproduzierbarkeit. Es erfordert eine Reihe von Tests, um eine Progression festzustellen. Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist im Gegensatz dazu objektiv und genau, wird jedoch nach neueren Studien aufgrund des “floor effect” der Nervenfaserschicht (NFL) beim fortgeschrittenen Glaukom als weniger geeignet eingestuft.

Ziel dieser Studie war es, die Aufdeckung der Progression des Glaukomschadens mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) und Gesichtsfeld (VF) zu vergleichen. Die Analyse umfasste 356 glaukomverdächtige / vorperimetrische Glaukom- (GS / PPG) Augen und 153 perimetrische Glaukom- (PG) Augen. Die Beobachtungszeit betrug in beiden Gruppen rund 55 Monate.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die OCT gemäß den Ergebnissen dieser Studie sowohl bei perimetrischen Glaukomaugen als auch bei vorperimetrischen Glaukomen und frühen perimetrischen Glaukomaugen eine höhere Sensitivität für die Progressionsdetektion als der Analyse des Gesichtsfeldes aufweist. Die OCT kann eine Progression innerhalb einer kürzeren Beobachtungszeit bei einem frühen Glaukom erkennen. Daher könnten sich Kliniker stärker auf die OCT verlassen, um die Progression in den frühen Stadien der Krankheit zu überwachen.

Jedoch gibt es Patienten in allen Glaukomstadien, die sich entweder nur funktionell oder nur strukturell verschlechtern oder einige nachweisbar in beiden Untersuchungsmethoden Es scheint daher ratsam, OCT und VF zusammen zur Krankheitsüberwachung einzusetzen, da dies den Krankheitsverlauf besser darstellen kann als eine Methode alleine. Interessanterweise ist die OCT bei mittlerem und fortgeschrittenem Glaukom (mit guten Ergebnissen bis zu MD von 15 dB) weiterhin bei der Verlaufsüberwachung sinnvoll, wobei die GCC-Trendanalyse nützlicher ist als die NFL-Trendanalyse. Dies hat im klinischen Alltag insbesondere deshalb eine Bedeutung, da einige Patienten mit einem fortgeschrittenen Glaukom Schwierigkeiten bei der adäquaten Durchführung einer Gesichtsfelduntersuchung haben und die OCT als objektiver Test nicht in dem Maße von der Kooperation des Patienten abhängt.

Schlussfolgerung: OCT ist empfindlicher als VF für die Erkennung der Progression beim frühen Glaukom. Während der Nutzen von NFL bei einem fortgeschrittenem Glaukom abnimmt, bleibt GCC ein sensitiver Progressionsdetektor vom frühen bis zum fortgeschrittenen Stadium.

Xinbo Zhang, Anna Dastiridou, Brian A. Francis, Ou Tan, Rohit Varma, David S. Greenfield, Joel S. Schuman, And David Huang, On Behalf of The Advanced Imaging for Glaucoma Study Group, Am J Ophthalmol 2017;184: 63–74.

Wie genau ist die Diagnostik der Optischen Kohärenz Tomographie bei der Diagnose eines Glaukoms? Eine Sekundäranalyse der GATE-Studie

Die Glaucoma Automated Tests Evaluation (GATE) -Studie ist eine große, multizentrische, prospektive Testgenauigkeitsstudie, die die Leistung automatisierter Klassifikationen von drei gängigen Bildgebungstechnologien zur Diagnose des manifestem Glaukoms untersucht: die Heidelberg Retina Tomographie (Heidelberg Engineering, Heidelberg, Deutschland), Scanning Laser-Polarimetrie (GDx-ECC, Carl Zeiss Meditec, Dublin, Kalifornien, USA) und Spectralis Optische Kohärenztomographie (OCT, Heidelberg Engineering). Die Durchführung eines Triage-Tests beinhaltet die Bildgebung sowie die Messung des intraokularen Drucks (IOP) und der Sehschärfe. Obwohl die Verwendung einer Bildgebungstechnologie im Rahmen eines Triage-Tests als effizient eingeschätzt wurde, beschrieb die GATE-Studie eine suboptimale OCT-Leistung, sofern die standardisierte automatische Klassifizierung der globalen RNFL-Dicke verwendet wurde, die die Kategorien “innerhalb normaler Grenzen”, “grenzwertig” oder “außerhalb der normalen Grenzen” beschrieb.

OCT ist die am weitesten verbreitete Bildgebungstechnologie. Bei der eingehenden Analyse der OCT Daten in der GAT-Studie wollten die Autoren folgende Fragestellungen untersuchen: Was kann die OCT bei einer vordefinierten hohen Sensitivitätsstufe (erforderlich für eine Triage-Einstellung wie in der GATE-Studie) leisten? Wie sieht es bei Einstellung mit hohem Spezifitäts-Level aus (benötigt für eine Screening-Einstellung, für die GATE Studie nur indirekte Beweise liefern würde)? Welche RNFL-Ausschnitte könnten für Triage oder Screening verwendet werden?

Andere Fragen waren: Kann die Glaukomdiagnose verbessert werden, indem zusätzliche Informationen in Bezug auf die individuelle Unterschiedlichkeit zwischen Augen und innerhalb eines Auges oder andere verfügbare Daten wie OCT-Scan-Qualität, Augeninnendruck, Alter des Patienten und Refraktionsfehler berücksichtigt werden?

Ergebnisse: In mindestens einem Auge wurde bei 17% der Teilnehmer ein Glaukom diagnostiziert. Bereiche unter der Kurve lagen zwischen 0,83 und 0,88. Wenn die Spezifität auf 0,95 festgelegt wurde, lag die Sensitivität zwischen 0,38 und 0,55. Die höchsten Werte wurden mit Modellen erreicht, die den unteren Quadranten und nicht die durchschnittliche RNFL-Dicke berücksichtigten. Legte man die Sensitivität bei 0.95 fest, lag die Spezifität zwischen 0,36 und 0,58. Die Berücksichtigung des Alters, Refraktionsfehler, Augeninnendruck oder Variationen der Augen eines Patienten verbesserten die Genauigkeit nicht.

Virgili G, et alBr J Ophthalmol 2017;0:1–7.

Zusammenfassung: DOC Nürnberg 11. – 13 Mai 2017

Was 1987 als Idee für ein neues Format aus einem Abendessen zwischen Prof. Neuhann und Dr. Scharrer entstand, in München mit einigen wenigen Dutzend innovationsfreudigen und interessierten Ophthalmochirurgen initiiert wurde, hat sich mittlerweile zu einem der national und auch international renommiertesten Kongresse für die Ophthalmochirurgie entwickelt.

In den letzten 30 Jahren hat sich die operative Augenheilkunde in einem Beschleunigungstunnel gestürzt, diversifiziert, viele neue Verfahren wurden etabliert und andere wieder verworfen, wobei dieses Forum als Präsentationsfläche und Diskussionsplattform zur Orientierung als wichtiger Standpfeiler der internationalen operativen Augenheilkunde gewachsen ist.

Mittlerweile nehmen rund 6000 Teilnehmer an dem dreitätigen Kongress teil. Weit über 100 Aussteller präsentieren sich als Dienstleister mit mehr oder weniger großen Ständen. International renommierte Experten stellten Innovationen und Erfahrungen vor, teilten und diskutierten dies mit dem interessierten Publikum, etablierten neue und bestätigten bestehende Goldstandards der Augenchirurgie. Ausgebuchte Wet-Labs und Kurse, für operativ und auch konservativ tätige Kollegen und Kolleginnen, wie auch Managementkurse bestätigen, dass eine umfassende praxisnahe Fort- und Weiterbildung gewünscht und angenommen wird.

Ein weiterer Höhepunkt war das Minisymposium „Ophthalmologie 2025 – Trends und Innovationen“. Hier entwarfen Insider und erfahrene Fachleuchte Szenarien der denkbaren Augenheilkunde von morgen und der Zukunft der Arbeit.

Weitere Highlights waren das Consilium Diagnosticum und Therapeuticum, sowie die Video Live surgery (auch in 3D). In der Hauptsitzung am Freitagvormittag fanden die Ehrenvorlesungen statt, welche von den außerordentlichen Persönlichkeiten: Robert Zaldivar aus Mendoza (Argentinien), Adrian Glasser aus Houston, Texas und Albrecht Henning, Berlin gehalten wurden.

Robert Zaldivar aus Mendoza (Argentinien) – bekannt für herausragende Verdienste in der Entwicklung der IOL- fesselte mit dem Vortrag: „The evolution of posterior chamber phakic IOL“, der einen umfassenden Überblick über die letzten 7 Dekaden der Entwicklung und Diversifizierung der IOL bieten konnte.

Dann eröffnete Adrian Glasser aus Houston, Texas, den Zuhörern in der DOC Ridley Lecture mit dem Titel: „Can Accomodation be restored to the presbyopic eye?“ einen tiefgreifenden und humorvollen Einblick in die Tatsache, dass Helmholtz schon im 19. Jahrhundert verstanden hat, was wir bis heute nicht lösen konnten: Akkommodation ist ein hoch komplexes Geschehen. Der gut vom Kortex der Linse abgeschirmte, chirurgisch nicht antastbare und pharmakologisch noch nicht zugängliche Nucleus altert, wird rigide und lässt unsere Arme länger werden… Es gibt noch keinen adäquaten Ersatz, der jugendliches Sehen wieder möglich macht.

Die Albrecht-von-Graefe Vorlesung wurde von Albrecht Henning gehalten, der anhand seines Lebenswerkes in Nepal, wo er über Jahrzehnte die Kataraktchirurgie von der ICCE bis zur modernen Phakoemulsifikation eingeführt und Schritt für Schritt den Neuerungen angepasst hat, einen eindrücklichen Überblick über die Entwicklung der Kataraktchirurgie gegeben hat. Er und seine Mitarbeiter konnten in Nepal somit sehr vielen Menschen das Augenlicht zurückgeben, die ohne deren Einsatz dort, wohl blind geblieben wären. Den lang anhaltenden Applaus nach dem Vortrag hat er bei aller Bescheidenheit verdient genossen.

Er wurde durch Wahl der DOC Teilnehmer in die Hall of Fame aufgenommen, ebenso wie Prof. Dr. Herbert Kaufmann, der die Strabologie in Europa in den letzten Jahrzehnten maßgeblich geprägt hat. Prof. Hendrik P.N. Scholl (Universitätsspital Basel) wurde mit dem DOC-Wissenschaftspreis Retina ausgezeichnet.

Andere, neue Formate wurden auch sehr gut angenommen wie die Masterclass Kurse, bei denen zentrale Themen in der Augenchirurgie von Hochkarätern erörtert wurden.

Nach anglo-amerikanischem Vorbild wurde „Convince the audience“ erstmals „aufgeführt“, wobei sich konkurrierende Verfahren einem Panel von Befürwortern und Gegnern stellen müssen.

Am Schluss stimmten die Zuhörer ab, wer sie überzeugt hat.

Im „Shark Tank“, dem Haifischbecken, wurden kontrovers diskutierte Behandlungskonzepte vorgestellt und von einem Panel kritischer Moderatoren analysiert und kritisiert.

Lerne von den Großen – und sie hören auch dem Publikum zu – eine schöne Interaktion, von der es ruhig mehr geben könnte.

Es waren drei interessante Tage mit neuen und bewährten Formaten. Auf der Industrieausstellung wurden die Gespräche dann intensiviert oder noch einmal neu beleuchtet, während die nicht wenigen Baristas an den Ständen um den Ruf des besten Kaffees auf der Messe konkurrierten.

Zusammenfassung der AAD in Düsseldorf vom 14. – 18. März 2017

…..Es kommen ganz andere Realitäten auf die Augenheilkunde zu – und zwar sehr bald!
Von Dr. Vera Schmit-Eilenberger

Unter dem Motto “Demographischer Wandel – Herausforderungen und Perspektiven für die Augenheilkunde” wurde vom 14. März bis 18. März 2017 in Düsseldorf die Augenärztliche Akademie Deutschlands in bewährter Weise ausgetragen. Über 5 Tage wurden mehrere hundert Kurse, Symposien, Dry-und Wetlabs, Vorlesungen, Facharzttutorien angeboten und rege angenommen.
Rund 200 Firmen präsentierten sich auf der Industrieausstellung, wobei der gefühlte Schwerpunkt die “Imaging”-Anbieter waren. Insbesondere die OCT-A verschiedener Anbieter stieß als neues, wegweisendes Tool auf besonderes Interesse.

Mit fast 6000 Teilnehmern gehört die AAD, die vom BVA und der DOG gemeinsam ausgerichtet wird, zu den großen, ophthalmologischen Veranstaltungen neben der DOC im Mai in Nürnberg und der DOG Herbst in Berlin im deutschsprachigen Raum. Ihre Strukturen mit eingespielten Schulungs- und Seminarangeboten einen wertvollen Beitrag zur klinischen und theoretischen Ausbildung und Wissensvertiefung für Assistenz- und Fachärzte ermöglichen.

“Demographischer Wandel – Herausforderungen und Perspektiven für die Augenheilkunde”

Durch den Demographischen Wandel ergeben sich zweifellos Herausforderungen und neue Perspektiven für die Augenheilkunde. Rund 40 Prozent der Patienten sind heute schon 70 Jahre alt oder älter. Diese Menschen sind besonders häufig von chronischen Augenerkrankungen betroffen, die eine kontinuierliche und aufwändige Betreuung erfordern. 2030 wird der Anteil der 60- bis 80-Jährigen bei 28 Prozent der Bevölkerung liegen, sieben Prozent der Menschen werden über 80 Jahre alt sein. Für die Augenheilkunde bedeutet dies: Es ist mit 7,7 Millionen zusätzlicher Behandlungsfällen zu rechnen. Diese Zahlen sind nicht neu und überraschen nicht wirklich. Sich darauf einzustellen, stellt eher ein berechenbar strukturelles und finanzielles, denn ein medizinisches Problem dar.

Andere, fast revolutionäre anstehende Strukturveränderungen haben leider im Rahmen dieser Akademie keine oder nicht genug Beachtung gefunden: Die Augenheilkunde wird sich zeitnah, momentan noch schwer absehbaren, aber massiven strukturellen Umwandlungen stellen müssen: Imaging, Imaging, Imaging lautet die Zukunft. Denn die zunehmende Vernetzung bringt es jetzt schon mit sich, dass Spezialisten und Patienten nicht mehr körperlich aufeinandertreffen müssen. So wie man nicht mehr um 20h abends im Fernsehsessel sitzen muss, um die Tagesschau zu sehen, erleben wir täglich mehr, wie die Augenheilkunde ortsunabhängig und zeitsouverän wird. Und dieser Trend wird sich verstärken und beschleunigen.

Imaging wird mit sich bringen, dass Patienten von Anfahrt und Wartezeiten in Zentren befreit werden. Ein neues Arzt-Patienten-Verhältnis auf verschiedenen Ebenen – auch emotional und vom Vertrauensverhältnis her – wird die Folge sein.

Autonomes Diagnostizieren, Therapieren und Operieren durch neuronale Netzwerke, die zwar (noch) keine technologische Singularität aufweisen, aber die wie z.B. Watson von IBM, der mit Millionen von Daten gefüttert wird, diese in Sekundenschnelle abgleicht und Analysen mittels Algorithmen anfertigt, das menschliches Gehirn, den Arzt, Experte hin- oder her, links liegen lassen.

Watson kann 40 Millionen Dokumente in 15 Sekunden lesen, d.h. die komplette jährliche Literatur in der Augenheilkunde wird in weniger als einer Sekunde erfasst. Das war´s Mr Holmes.

Noch wird zart darauf hingewiesen, dass dadurch der Arzt nicht ersetzt werden kann, es sich hingegen lediglich um ein Assistenzprogramm handelt. Aber wenn dieses Netzwerk evidenzbasiert argumentieren wird, wo bleibt dann die Autonomie der ärztlichen Entscheidung? Halten Kostenträger noch in Zukunft ihre Finger bei der ärztlichen Therapiewahl unter Zugriff auf diese Daten raus? Wird es noch ärztliche Einzelentscheidungen geben oder ein System der evidenzbasierten Priorisierung eingeführt? Oder was kommt noch?

Macht es überhaupt noch Sinn, Kurse für z.B. OCT Anwendung und Auswertung anzubieten oder wahrzunehmen? Die Frage stellt sich wirklich.

Imaging wird bald nicht mehr individuell ausgewertet werden können. Das werden entweder automatisierte Reading Center im Rahmen einer flächendeckenden Vernetzung oder Computerprogramme wie Watson, die die Diagnose in Sekundenschnelle in jede Sprache dieser Welt übersetzen können, übernehmen. Die Flut an Innovationen ist für den einzelnen Augenarzt weder noch adäquat erlernbar, noch deren Interpretation für das breite Spektrum der Fälle auf einem professionellen Niveau leistbar. Und nicht nur das “structural imaging” entwickelt sich exponentiell fort, Möglichkeiten im “functional bio imaging” werden schnell weitere Erkenntnisse bringen.

Noch ein weiteres, wenig besprochenes Problem: Imaging reitet in der Augenheilkunde den therapeutischen Möglichkeiten, insbesondere beim Glaukom und der AMD davon.

Die vermeintliche Logik der Quantifizierung und Darstellung von Daten, z.B. beim Glaukom, gaukelt uns Innovation vor. Teilweise wird dieser Messwahn auf ein absurdes Differenzierungsniveau getrieben, der alle Beteiligten in einer postmodernen Pseudosicherheit wiegt, ohne wirklichen Wert. BIG DATA – BIG OUTPUT? Wie sollte das möglich sein bei einem Innovationsstau par excellence, was die therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung des Glaukoms ausmachen? Drucksenkung seit dem 19. Jahrhundert? Mit Augentropfen, die nach 6 Monaten nur noch 50% der Patienten überhaupt nehmen? Wobei allen klar ist, dass damit nur ein kleiner Aspekt der Pathogenese dieses schlecht sortierten Krankheitsbildes adressiert wird.

Kostenexplosion beim Imaging ohne wirkliche therapeutische Innovation. Der individuelle Nutzen dafür wird bald nachzuweisen und argumentativ gegenüber Kostenträgern und Igel-Leistern zu rechtfertigen sein!

Ebenso, wie uns absehbar die Folgen des demographischen Wandels beschäftigen werden, wird uns eine Diabetes-Epidemie heimsuchen, zudem wird sich die Augenheilkunde der Pandemie der Myopie und ihrer Folgen stellen müssen.

Was ist mit Themen wie Gender Medizin? Der Beginn des Endes der genetisch bedingten Netzhauterkrankungen durch „gene editing technology“? Die riesengroßen Schritte in der “Artificial View” mit hochauflösenden kortikalen Implantaten? Das Ende der Presbyopie für die Silver-Surfer? Spinnereien in der Pipeline wie individualisierte Therapie mit Medikamenten aus dem 3D-Molekulardrucker? Cat-Op ohne OP?

Wo sind die intelligenten Impulsvorträge: frech, mutig und unabhängig formuliert? Wo die Paradiesvögel, Informatiker, Biotechniker, Philosophen, Bioniker, Ethiker, Zukunftsforscher aus Think-tanks, Vor- und Querdenker? Es gibt sie.

Zweifellos ist eine saubere und gut sortierte Grundlagenvermittlung zur Qualitätssicherung unabdingbar.

Aber: Wo ist das Forum für die großen und kleinen drängenden Zukunfts-Themen in der Ophthalmologie auf der AAD?

Als Schulungsveranstaltung wirkt die AAD allzu brav, beamtisch, altmodisch und im besten Falle konservierend.

Schaut Euch um. Traut Euch!

Myopie – Epidemiologie und mögliche Therapien zur Progressionskontrolle

  • Im Jahr 2010 betrug die globale Prävalenz der Myopie (≤ -0,5 dpt) 28,3 % (2 Mrd.). In 10 Jahren konnte eine Zunahme von 30 % festgestellt werden.1
  • Auch in den USA ist über einen Zeitraum von 30 Jahren die Prävalenz der Myopie um 66 % gestiegen (von 25 % auf 42 %); die der hohen Myopie hat sich verachtfacht (von 0,2 % auf 1,6 %).2
  • Kurzsichtigkeit ist die am häufigsten anzutreffende “Erkrankung” der Augen weltweit, welche mittlerweile bis 90 % junger Erwachsener in einigen Staaten Asiens betrifft. In Europa und den USA liegt die Rate zwischen 25 und 50 % bei Erwachsenen.3.4.5
  • Schätzungen zufolge werden im Jahr 2020 ca. 2.5 Milliarden Menschen in Ost-Asien von Kurzsichtigkeit betroffen sein.6
  • Weitere Modellrechnungen verweisen darauf, dass die Myopie im Jahr 2050 4,8 Mrd. Menschen weltweit betreffen wird, somit nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung.

Im Rahmen dieser Entwicklungen wird natürlich auch der Anteil an Menschen mit pathologischer, also hoher Myopie ³ 6 dpt nach Hochrechnungen bis zum Jahr 2050 auf 900 Mio. Betroffene mit all den individuellen und sozio-ökonomischen Folgen ansteigen.7

1 Holden BA, Wilson DA, Jong M et al (2015) Myopia: a growing global problem with sight-threatening complications. Community Eye Health 28:35

2 Vitale S, Sperduto RD, Ferris FL (2009) Increased prevalence of myopia in the United States between 1971–1972 and 1999–2004. Arch Ophthalmol 127(12):1632–1639.

3 Pizzarello L, Abiose A, Ffytche T, et al. VISION 2020: The Right to Sight: a global initiative to eliminate avoidable blindness. Arch Ophthalmol. 2004; 122:615–20

4 Saw SM, Katz J, Schein OD, et al. Epidemiology of myopia. Epidemiol Rev. 1996; 18:175–187.

5 Katz J, Tielsch JM, Sommer A. Prevalence and risk factors for refractive errors in an adult inner city population. Invest Ophthalmol Vis Sci. 1997; 38:334–40

6 Kempen JH, Mitchell P, Lee KE, et al. The prevalence of refractive errors among adults in the United States, Western Europe, and Australia. Arch Ophthalmol. 2004; 122: 495–505

7 Holden BA, Fricke TR, Wilson DA et al (2016) Global prevalence of myopia and high myopia and temporal trends from 2000 through 2050. Ophthalmology 123:1036–1042

Spielt der Gebrauch von mobilen Endgeräten / Naharbeit eine Rolle bei Myopieprogression?

  • Manche Studien postulieren eine Assoziation zwischen Naharbeit und Kurzsichtigkeit: z.B. die Orinda Longitudinal Study of Myopia unter amerikanischen Kindern1 oder in der Sydney Myopia Study2, andererseits konnte in Studien mit Kindern aus Singapur kein Zusammenhang errechnet werden.3,4
  • Auch aktuellere Studien lassen keine eindeutige Aussage zu: Manche zeigen einen Zusammenhang51-58, wohingegen andere dies nicht bestätigen können.3,4
  • Es scheint sich in einigen Studien herauszukristallisieren, dass langanhaltende Naharbeit bei einer Lese-Distanz unter 30 cm und wenigen Pausen eine größere Bedeutung hat als die Gesamtzeit der Naharbeit.5-8
  • Es fehlen evidenzbasierte Zahlen und somit Aussagen zu der Bedeutung der Größe und Lichtintensität des Bildschirms oder auch eines Buches.

1 Mutti DO, Mitchell GL, Moeschberger ML, Jones LA, Zadnik K. Parental myopia, near work, school achievement and children’s refractive error. Invest Ophthalmol Vis Sci 2002; 43: 3633–40.

2 Ip JM, Rose KA, Morgan IG, et al. Myopia and the urban environment: Findings in a sample of 12-year-old Australian school children. Invest Ophthalmol Vis Sci. 2008; 49:3858–63.

3 Saw SM, Shankar A, Tan SB, Taylor H, Tan DT, Stone RA et al. A cohort study of incident myopia in Singaporean children. Invest Ophthalmol Vis Sci 2006; 47: 1839–44.

4 Saw SM, Tong L, Chua WH, Chia KS, Koh D, Tan DT et al. Incidence and progression of myopia in Singaporean school children. Invest Ophthalmol Vis Sci 2005; 46: 51–57

5 You QS, Wu LJ, Duan JL, Luo YX, Liu LJ, Li X et al. Factors associated with myopia in children in China: the Beijing childhood Eye Study. PLoS One 2012; 7: e52668.

6 Lee YY, Lo CT, Sheu SJ, Lin JL. What factors are associated with myopia in young adults? A survey study in Taiwan military conscripts. Invest Ophthalmol Vis Sci 2013; 54: 1026–33.

7 Gong Y, Zhang X, Tian D, Wang D, Xiao G. Parental myopia, nearwork, hours of sleep and myopia in Chinese children. Health 2014; 6: 64–70.

8 Wallman J, Gottlieb MD, Rajaram NV, Fugate Wentzek LA. Local retinal regions control local eye growth and myopia. Science 1987; 237:73–7.

Hilft es bei kurzsichtigen Kindern die Brille „unterzukorrigieren“, um ein weiteres Voranschreiten der Kurzsichtigkeit aufzuhalten?

  • Unterkorrektion der Myopie mit dem Argument, dass damit das schnellere Voranschreiten der Myopie aufgehalten werden kann, ist als Mythos in der Augenheilkunde noch weit verbreitet und wird nach wie vor vielerorts praktiziert. Fake News. Dafür gibt es keinerlei Evidenz.
  • Gedankliche Grundlage dieser Empfehlung war: In Tiermodellen konnte die Myopieprogression durch Defokussierung reduziert werden, weiter gedacht auf das menschliche Modell dann auch durch eine Reduktion der Akkomodationsbelastung bei Naharbeit.
  • Prospektive klinische Studien zeigten aber, dass eine Unterkorrektion der Myopie keinen Effekt auf die Entwicklung der Myopie1 hat oder diese sogar anheizen kann.2

1Adler D, Millodot M. The possible effect of undercorrection on myopic progression in children. Clin Exp optom. 2006;89(5):315–21.

2 Chung K, Mohidin N, O’Leary DJ. Undercorrection of myopia enhances rather than inhibits myopia progression. Vision Res. 2002;42(22):2555–9.

„Accomodation lag“ als Ursache für Myopisierung?

  • Bezüglich des “Accomodation lag” gibt es folgenden Konsens: Myope Kinder und Erwachsene zeigen ein eindeutiges Defizit der Akkommodation, wobei es keinen Konsens darüber gibt, wann dies genau einsetzt (vor oder während der Myopisierung) oder in welchem Zusammenhang es mit einer Myopisierung überhaupt zu sehen ist.
  • Die Hypothese einer möglichen Beziehung zwischen Akkommodation und Kurzsichtigkeit lautet: je höher der Grad der hyperopen Defokussierung aufgrund des akkomodativen Defizits ist, desto schneller schreitet die Myopisierung voran.
  • Einige Daten legen den Gedanken nahe, dass ein akkomodatives Defizit nicht als Motor einer zunehmenden Kurzsichtigkeit zu sehen ist, auch nicht Umwelteinflüssen unterliegt, sondern eher lediglich damit einhergeht, ohne als kausales Agens zu fungieren.1

1 Invest Ophthalmol Vis Sci. 2006 Mar;47(3):837-46, Accommodative lag before and after the onset of myopia, Mutti et al

Inwieweit spielt die genetische Veranlagung eine Rolle bei zunehmender Kurzsichtigkeit?

  • Es gibt reichlich Evidenz zu der Erblichkeit nicht-syndromaler Formen der Myopie, insbesondere für hochgradige Formen über 5 – 6 dpt.1 Die kürzlich veröffentlichten Genome-wide association studies (GWAS) haben mehr als 20 Loci für Myopie identifiziert.2
  • Eine Studie aus Finnland3 begleitete 240 kurzsichtige Kinder vom Schulalter über 22 Jahre hinweg bis in deren Erwachsenenleben. Am Studienende, nach etwa 22 Jahren, gab es bei den Jungen in den unterschiedlichen genetischen Gruppen (beide Eltern kurzsichtig, ein oder kein Elternteil myop) keine signifikanten Unterschiede im sphärischen Äquivalent, der Hornhautbrechkraft, Axiallänge oder Myopieprogression. Bei den Mädchen betrug die Myopieprogression − 4,21 ± 1,81 dpt, wenn ein Elternteil oder beide Eltern kurzsichtig waren und -3,19 ± 1,36 dpt, wenn die Eltern nicht myop waren.

Im Wesentlichen sind es die Hornhautbrechkraft und die Myopieprogression, die bei denjenigen Kindern größer ist, die kurzsichtige Eltern hatten. Es kann jedoch kein signifikanter Unterschied in der Achsenlänge beobachtet werden.

1 Young TL, Metlapally R, Shay A. Complex trait genetics of refractive error. Arch Ophthalmology. 2007; 125:38–48.

2 Cooke Bailey JN. Advances in the genomics of common eye disease. Hum Mol Genet 2013

3 Pärssinen O, Kauppinen M. What is the influence of parentsʼ myopia on their childrenʼs myopic progression? A 22-year follow-up study. Acta Ophthalmol 2016; 94: 579–585.

Helfen Augentropfen, das Voranschreiten der Kurzsichtigkeit aufzuhalten?

  • Atropin ist ein nicht selektiver Muskarin-Antagonist. Erste Notizen zur Anwendung bei Myopie finden sich bereits im 19. Jahrhundert.
  • Verschiedene Studien haben einen klinischen Effekt zur Reduktion der Myopisierung erbringen können.6-17
  • Im Tierversuch bei Mäusen, Affen und Hühnern wurde das bestätigt, ebenso wie ein positiver Einfluss auf die Deprivations-Myopie oder die Linsen-induzierte Kurzsichtigkeit bei Hühnern.18-20
  • In Vogelaugen besteht der intraokulare Muskel im Gegensatz zu denen von Säugetieren aus gestreifter Muskulatur, woraus geschlossen werden kann, dass nicht-akkomodative Effekte für die Reduktion der Progressionsrate verantwortlich sein sollten.21-25
  • Der exakte Mechanismus, den Atropin auslöst, ist nicht bekannt. Man geht momentan davon aus, dass Atropin direkt oder indirekt auf die Netzhaut oder Sklera dahingehend wirkt, eine Ausdünnung oder Dehnung der Sklera zu verhindern.
  • Lediglich eine Studie qualifiziert sich als randomisierte, kontrollierte klinische Erhebung mit entsprechender Aussagekraft: ATOM 1 und 2 (Atropine for the Treatment of Myopia), an der 400 Kinder aus Singapur teilnahmen.
  • ATOM 1 (Placebo gegen Atropin 1 %) und ATOM 2 (Vergleich Atropin 0.5 %, 0.1 %, 0.01 %)
  • ATOM: Atropin-Augentropfen wurden in 4 verschiedenen Konzentrationen über eine Behandlungszeit von 2 Jahren mit Placebo verglichen.
      • Progressionrate unter Placebo 1,20 dpt/Jahr
      • unter Atropin 1 % bei 0,21
      • mit Atropin 0,5 % bei 0,30
      • mit Atropin 0,1 % bei 0,38 und
      • mit Atropin 0,01 % bei 0,49 dpt/Jahr2, wobei hier der Rebound bei unter 0,01 % 1 Jahr nach Therapieende am geringsten war.3

 

  • die ATOM-Studie setzt sich aus 2 sequenziellen Studien im Vergleich zusammen, einmal Placebo gegen Atropin 1 % und danach Atropin 0,5 % vs. 0,1 % vs. 0,01 %. Eine Vergleichbarkeit ohne jeweilige Kontrollgruppe ist nicht unmittelbar gegeben.4

1 Chua W-H, Balakrishnan V, Chan Y-H, Tong L, Ling Y, Quah B-L et al (2006) Atropine for the treatment of childhood myopia. Ophthalmology 113(12):2285–2291

2 Chia A, Chua WH, Cheung YB, Wong WL, Lingham A, Fong A et al (2012) Atropine for the treatment of childhood myopia: safety and efficacy of 0.5 %, 0.1% and0.01% doses (Atropine for the Treatment of Myopia 2). Ophthalmology 119(2):347–354

3 Chia A, Lu Q-S, Tan D (2016) Five-year clinical trial on atropine for the treatment of myopia 2: myopia control with atropine 0.01 % Eyedrops. Ophthalmology 123(2):391–399

4 Morgan IG, He M (2016) An important step forward in myopia prevention: low-dose atropine. Ophthalmology 123(2):232–233

6 Bedrossian RH. The effect of atropine on myopia. Ann Ophthalmol 1971;3(8):891-7.

7 Bedrossian RH. The effect of atropine on myopia. Ophthalmology 1979;86(5):713-9.

8 Bedrossian RH. The treatment of myopia with atropine and bifocals: a long-term prospective study. Ophthalmology 1985;92(5):716.

9 Gimbel HV. The control of myopia with atropine. Can J Ophthalmol 1973;8(4):527-32

10 Dyer JA. Role of cyclopegics in progressive myopia. Ophthalmology 1979;86(5):692-4

11 Sampson WG. Role of cycloplegia in the management of functional myopia.

Ophthalmology1979;86(5):695-7.

12 Gruber E. Treatment of myopia with atropine and bifocals. Ophthalmology 1985;92(7):985.

13 Brodstein RS, Brodstein DE, Olson RJ, Hunt SC, Williams RR. The treatment of myopia with atropine and

bifocals. A long-term prospective study. Ophthalmology 1984;91(11):1373-9.

14 Brenner RL. Further observations on use of atropine in the treatment of myopia. Ann Ophthalmol 1985;17(2):137-40.

15 Yen MY, Liu JH, Kao SC, Shiao CH. Comparison of the effect of atropine and cyclopentolate on myopia. Ann Ophthalmol. 1989; 21:180–2.

16 Shih YF, Chen CH, Chou AC, Ho TC, Lin LL, Hung PT. Effects of different concentrations of atropine on controlling myopia in myopic children. J Ocul Pharmacol Ther. 1999; 15:85–90.

17 Shih YF, Hsiao CK, Chen CJ, Chang CW, Hung PT, Lin LL. An intervention trial on efficacy of atropine and multi-focal glasses in controlling myopic progression. Acta Ophthalmol Scand. 2001; 79:233–6.

18 McKanna JA, Casagrande VA. Atropine affects lid-suture myopia development: Experimental studies of chronic atropinization in tree shrews. Doc Ophthal Proc Series. 1981; 28:187–92.

19 Raviola E, Wiesel TN. An animal model of myopia. N Engl J Med. 1985; 312:1609–15.

20 Tigges M, Juvone PM, Fernandes A, Sugrue MF, et al. Effects of muscarinic cholinergic receptor antagonists on postnatal growth of rhesus monkeys. Optom Vis Sci. 1999; 76:398–407.

21Tigges M, Juvone PM, Fernandes A, Sugrue MF, et al. Effects of muscarinic cholinergic receptor antagonists on postnatal growth of rhesus monkeys. Optom Vis Sci. 1999; 76:398–407.

22 Stone RA, Lin T, Laties AM. Muscarinic antagonist effects on experimental chick myopia.

Exp Eye Res. 1991; 52:755–8.

23 Schmid KL, Wildsoet CF. Inhibitory effects of apomorphine and atropine and their combination in chicks. Optom Vis Sci. 2004; 81:137–47.

24 Glasser A, Howland HC. A history of studies of visual accommodation in birds.

Q Rev Biol. 1996; 71:475–509

25 McBrien NA, Moghaddam HO, Reeder AP. Atropine reduces experimental myopia and eye enlargement via a nonaccommodative mechanism. Invest Ophthalmol Vis Sci. 1993; 34:205–15.

Wie hoch ist der Wert therapeutischer Maßnahmen zur Reduktion der Myopieprogression?

Eine Netzwerkmetaanalyse aller bisher publizierten Studien1 listet die Effektgrößen in Bezug auf die Progressionsminderung in dpt/Jahr wie folgt auf:

  • Atropin hoch dosiert 0,68
  • Atropin niedrig dosiert 0,53
  • Zyklopentolat 0,33
  • Pirenzepin 0,29
  • Bifokalprismenbrillen 0,25
  • peripheren Defokus korrigierende Kontaktlinsen 0,21
  • 14-15h/Woche „Outdoor activity“ 0,14
  • Gleitsichtbrillen 0,14
  • peripheren Defokus korrigierende Brillengläser 0,12
  • bifokale Brillengläser 0,09.
  • Die p-Werte aller optischen Verfahren lagen bei dieser Metanalyse > 0,05.

Denkbare additive Effekte dieser Therapieansätze sind bis dato nicht Gegenstand einer Untersuchung gewesen.

1 Huang J, Wen D, Wang Q, McAlinden C, Flitcroft I, Chen H et al (2016) Efficacy comparison of 16 interventions for myopia control in children: A network meta-analysis. Ophthalmology.

Welche Rolle spielt die Orthokeratologie zur Vermeidung der Myopieprogression?

  • Bei der Über-Nacht-Orthokeratologie handelt es ich um eine Hornhautformungstechnik, bei der der Patient über Nacht eine Kontaktlinse mit einer reversen Geometrie zur temporären Abflachung der zentralen Hornhaut trägt.
  • Optiker und Optometristen stehen dieser Methode weitaus positiver gegenüber als Augenärzte. Offensichtliche Nachteile sind: hohe Kosten, Infektionsrisiko, Dyskomfort, Probleme beim Ein- und Aussetzen sowie instabile bzw. abnehmende Sehschärfe im Verlauf des Tages bei Nachlassen des Impressions-Effektes.
  • Erste Zulassung erfolgte 2002 als CRT (Cornea Refractive Therapy) von der FDA bei gering bis mittelgradiger Kurzsichtigkeit und Astigmatismus für Ortho-K-Linsen, die nachts getragen werden.
  • Ortho-K-Linsen verlangsamen das axiale Längenwachstum1-5 von myopen Augen im Vergleich zu Gas-permeablen Kontaktlinsen und monofokalen weichen Kontaktlinsen und Brillen.
  • Hypothetische Wirkweise: Ortho-K-Linsen gleichen die zentrale Fehlsichtigkeit aus, während hier wieder die Hypothese der peripheren Defokussierung zum Greifen zu kommen scheint.
  • Es fehlt jedoch eine aussagekräftige, kontrollierte Langzeitstudie, die den positiven Effekt bestätigen könnte. Zudem gibt es keine “wash-out”-Daten.

1 Swarbrick HA, Alharbi A, Watt K, Lum E, Kang P. Myopia control during orthokeratology lens wear in children using a novel study design. Ophthalmology. 2015;122(3):620–30

2 Walline JJ, Jones LA, Sinnott LT. Corneal reshaping and myopia progression. Br J Ophthalmol. 2009;93(9):1181–5.

3 Charm J, Cho P. High myopia-partial reduction ortho-k: a 2-year randomized study. Optom Vis Sci. 2013;90(6):530–9.

4 Chen C, Cheung SW, Cho P. Myopia control using toric orthokeratology (TO-SEE study). Invest Ophthalmol Vis Sci. 2013;54(10):6510–7.

5 Cho P, Cheung SW. Retardation of myopia in Orthokeratology (ROMIO) study: a 2-year randomized clinical trial. Invest Ophthalmol Vis Sci. 2012;53(11):7077–85.

6 Smith MJ, Walline JJ. Controlling myopia progression in children and adolescents. Adolescent Health, Medicine and Therapeutics 2015:6 133–40.

Gibt es evidenzbasierte Daten zur effektiven Myopisierungskontrolle mit Gleitsichtgläsern oder prismatische Zweistärkengläsern bei Kindern und Jugendlichen?

  • Periphere retinale Defokussierung: Es gibt vermehrt Hinweise darauf, dass die periphere Netzhaut und die periphere Sicht Einfluss auf die Entwicklung einer Myopieprogression zu haben scheint.
  • Studien an Primaten zeigen, dass sich trotz zentral guter Sehschärfe bei Deprivation der peripheren Retina eine axiale Myopiesierung entwickeln kann.
  • Die Peripheral Refraction in Preschool Children (PREP) Study of Singaporean Chinese children und die Collaborative Longitudinal Evaluation of Ethnicity and Refractive Error (CLEERE) zeigten jedoch, dass eine relative periphere Hyperopie wenig Einfluss auf die Myopieentwicklung oder Verlängerung der Axiallänge zu haben scheint.11-14
  • Bifokale Gläser: Aufgrund verschiedener Studien wurde die Hypothese aufgestellt, dass sowohl eine erhöhte retinale Defokussierung und ein hohes Akkomodationsdefizit zu einer Myopieprogression führen können1-3. Dieser Hypothese folgend wurde geschlossen, dass eine Versorgung mit bi- oder multifokaler Korrektur die Defokussierung reduziere und somit auch die Myopieprogression aufhalten könne.
  • Jedoch konnte dieser gewünschte Effekt in aussagekräftigen Studien in den USA und Skandinavien nicht signifikant widergespiegelt werden.4-7
  • Nur Cheng et al konnte bei einer Gruppe kanadischer Kinder chinesischer Herkunft einen positiven Effekt nachweisen.8-10

1 Norton T. Animal models of myopia: learning how vision controls the size of the eye. Inst Lab Anim Res J. 1999; 40:59–77.

2 Wildsoet CF. Active emmetropization: Evidence for its existence and ramifications for clinical practice. Ophthalmic Physiol Opt. 1997; 17:279–90.

3 Gwiazda J, Thorn F, Bauer J, Held R. Myopic children show insufficient accommodative response to blur. Invest Ophthalmol Vis Sci. 1993; 34:690–4.

4 Grosvenor T, Perrigin DM, Perrigin J, Maslovitz B. Houston Myopia Control Study: A randomized clinical trial. Part II. Final report by the patient care team. Am J Optom Physiol Opt. 1987; 64:482–98.

5 Pärssinen O, Hemminki E, Klemetti A. Effect of spectacle use and accommodation on myopic progression: Final results of a three-year randomised clinical trial among schoolchildren. Br J Ophthalmol. 1989; 73:547–51.

6 Jensen H. Myopia progression in young school children: A prospective study of myopia progression and the effect of a trial with bifocal lenses and beta blocker eye drops. Acta Ophthalmol Suppl. 1991; 200:1–79.

7 Fulk GW, Cyert LA, Parker DE. A randomized trial of the effect of single-vision vs. bifocal lenses on myopia progression in children with esophoria. Optom Vis Sci. 2000; 77:395–401.

8 Cheng D, Woo GC, Drobe B, Schmid KL. Effect of bifocal and prismatic bifocal spectacles on myopia progression in children: three-year results of a randomized clinical trial. JAMA Ophthalmol. 2014 Mar;132(3):258-64.

9 Cheng D, Schmid KL, Woo GC, Drobe B. Randomized trial of effect of bifocal and prismatic bifocal spectacles on myopic progression: two-year results. Arch Ophthalmol 2010;128(1):12-9.

10 Cheng D, Woo GC, Schmid KL. Bifocal lens control of myopic progression in children. Clin Exp Optom 2011;94(1):24-32

11 Hoogerheide J, Rempt F, Hoogenboom W. Acquired myopia in young pilots. Ophthalmologica. 1971; 163:209 –215.

12 Mutti D, Hayes J, Mitchell G, et al. Refractive error, axial length, and relative peripheral refractive error before and after the onset of myopia. Invest Ophthalmol Vis Sci. 2007; 48:2510 – 9.

13 Sng CC, Lin XY, Gazzard G, Chang B, Dirani M, Lim L, Selvaraj P, Ian K, Drobe B, Wong TY, Saw SM. Change in peripheral refraction over time in Singapore Chinese children. Invest Ophthalmol Vis Sci 2011 Oct 7;52(11):7880-7

14 Mutti D, Sinnott L, Mitchell G, et al. Relative peripheral refractive error and the risk of onset and progression of myopia in children. Invest Ophthalmol Vis Sci. 2011; 52:199 –205.

Welche Rolle spielen monofokale Kontaktlinsen zur Vermeidung der Myopieprogression?

  • Monofokale Kontaktlinsen haben im Vergleich zur Brillenkorrektion keinen progressionsmindernden Effekt1-4.

1 Fulk GW, Cyert LA, Parker DE, West RW. The effect of changing from glasses to soft contact lenses on myopia progression in adolescents. Ophthalmic Physiol Opt. 2003; 23:71–7

2 Horner DG, et al. Myopia progression in adolesecnt wearers of soft contact lenses and spectacles. Optom Vis Sci. 1999; 76:474–9

3 Walline JJ, Jones LA, Sinnott L, et al. A randomized trial of the effect of soft contact lenses on myopia progression in children. Invest Ophthalmol Vis Sci. 2008; 49:4702–6.

4 Katz J, Schein OD, Levy B, et al. A randomized trial of rigid gas permeable contact lenses to reduce progression of children’s myopia. Am J Ophthalmol. 2003; 136:82–90.

Hilft „draußen sein“ gegen Kurzsichtigkeit? Inwieweit spielt Lichtexposition zur Vermeidung der Myopie-Progression eine Rolle?

  • Kürzlich veröffentlichte Studien haben “ Outdoor activity” als eine Schlüssel-Umweltdeterminante für die Myopieentwicklung identifizieren können. In beiden Studien korrelierte die “Zeit, die draußen verbracht wurde” unabhängig von Indoor-Aktivität, Lesezeit oder sportlicher Betätigung mit geringerer Kurzsichtigkeit.1,2
  • Eine weitere komparative Studie chinesischer Kinder in Singapur und Sydney erbrachte ebenfalls einen protektiven Einfluss von Outdoor-Aktivität.3,4
  • Hypothese zum protektiven Effekt: Hohe Lichtintensität im Freien (bis 100 mal höher als die Beleuchtung von Innenräumen) und Chromatizität des Lichtes.5
  • In der ROAM Studie (Role of outdoor activity in Myopia) wurde die Outdoor-Zeit und somit die Lichtexposition nicht durch Fragebögen, sondern mit Lichtsensoren, die über 2 x 14 Tage am Handgelenk getragen wurden bei 101 Kindern zwischen 10 und 15 Jahren ermittelt. Es handelt sich um eine prospektive, longitudinale Observations-studie mit über 18 Monaten Beobachtungszeit. Auch hier zeigte sich eine entsprechende Korrelation zwischen Lichtexposition und Längenwachstum des Auges wie in den anderen genannten Studien.6

1 Saw SM, Chua WH, Hong CY, et al. Near-work in early-onset myopia. Invest Ophthalmol Vis Sci.2002; 43:332–9.

2 Rose KA, Morgan IG, Ip J, et al. Outdoor activity reduces the prevalence of myopia in children. Ophthalmology. 2008; 115:1279–85.

3 Rose KA, Morgan IG, Smith W, et al. Myopia, lifestyle, and schooling in students of Chinese ethnicity in Singapore and Sydney. Arch Ophthalmol. 2008; 126:527–30.

4 Dirani M, Tong L, Gazzard G, et al. Outdoor activity and myopia in Singapore teenage children. Br J Ophthalmol. 2009; 93:997–1000.

5 Ramamurthy D, Lin Chua SY, Saw SM. A review of environmental risk factors for myopia during early life, childhood and adolescence. Clin Exp Optom. 2015 Oct 25 doi: 10.1111/cxo.12346.

6 Read SA, Collins MJ, Vincent SJ., Light Exposure and Eye Growth in Childhood Invest Ophthalmol Vis Sci. 2015 Oct;56(11):6779-87.

Welchen Einfluss hat die frühe Zufütterung von potentiell allergenen Lebensmitteln an Babys auf die spätere Entwicklung von Lebensmittelallergien?

  • In dieser bisher umfangreichsten Metaanalyse (Daten von 200,000 Kindern aus 146 Studien) wurde die Frage untersucht, welchen Effekt die frühe Zufütterung potentiell allergener Lebensmittel an Babys bzgl. der Entwicklung von Lebensmittelallergien hat.
  • Das Studienteam konnte kein erhöhtes Risiko für Allergieentwicklung bei früher Einführung von Lebensmitteln wie Erdnüssen, Eiern, Milch, Fisch oder Getreide errechnen
  • Die Ergebnisse legen sogar nahe, dass die frühe Einführung von Ei in die Nahrung von Babys zwischen dem dem 4. und 6. Lebensmonat, das Risiko einer Ei-Allergie reduziert. Dieser Effekt konnte jedoch nicht für Milch, Fisch (inclusive Schalentiere), Nüsse und Weizen festgestellt werden.

Despo Ierodiakonou et al. Timing of Allergenic Food Introduction to the Infant Diet and Risk of Allergic or Autoimmune Disease, A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA, 2016 DOI: 10.1001/jama.2016.12623

Metaanalyse zum Komplikationsrisiko bei Phakoemulsifikation bei PEX

  • 22 Studien aus peer-reviewed Magazinen wurden untersucht
  • Das Risiko einer hinteren Kapselruptur wurde statistisch auf über 10% beziffert

Intraoperative complications of phacoemulsification in pseudoexfoliation: Metaanalysis
Pedro Vazquez-Ferreiro, MD, Francisco J. Carrera-Huseo, PhD, Jaime E. Poquet Jet, PhD, Narjis Fikri-Benbrahim, PhD, Marta Diaz-Rey, MD, Rafael Sanjuan-Cerveró, MD
http://dx.doi.org/10.1016/j.jcrs.2016.09.010

Analyse des DRCRN Protocol I: kurz- und langfristige Erfolge mit anti-VEGF-Therapie bei diabetischem Makulaödem

  • Studiendesign: Post-hoc Analyse des DRCRN Protocol I (Ranibizumab plus späterer oder sofortiger Lasertherapie bei diabetischem Makulaödem)
  • Fragestellung und Ziel dieser Studie: Bleibt eine frühe Verbesserung der Sehkraft bei Therapie mit Ranibizumab (+ früher oder später Lasertherapie) bei diabetischen Makulaödem stabil?

Ergebnisse:

  • nach 12 Wochen Therapie zeigten jeweils ca. 40 % der 340 Augen suboptimale (< 5 Buchstaben) und betont gute Reaktion (>10 Buchstaben).
  • Augen mit suboptimalem initialem Visusanstieg zeigten eine schlechtere Langzeitprognose bzgl. der Sehkraft als Augen mit gutem, frühen Ansprechen. (Durchschnittliche Verbesserung in Buchstaben 3,0 vs. 13,8 nach 3 Jahren)
  • Ein frühes schlechtes Ansprechen schließt jedoch eine spätere Visuserholung nicht aus (30% mit Visusanstieg < 5 Buchstaben nach 12 Wochen erreichten >10 Buchstaben Visusanstieg nach 3 Jahren (12% der Gesamtpopulation))
  • Diese Studie gibt keine prognostisch verwertbaren Hinweise, mit der “Langzeitresponder”, die initial schlecht auf die Therapie ansprechen, identifiziert werden könnten
  • Sie bietet ein best-case-scenario: 12 Augenarztbesuche/Jahr bei durchschnittlich 9 Injektionen! Wie sieht es in der Realität aus? Sicher nicht besser!
  • Schwachpunkt der Studie: die Dauer des DMÖ ist nicht berücksichtigt

Zusammenfassung:

  • Gesamtstudienpopulation: ein frühes Ansprechen durch Visusanstieg ist signifikant mit der Langzeitvisusprognose in der Gruppe Ranibizumab + früher oder später Lasertherapie assoziiert.
  • Nur bei 20-30% derer, die initial schlecht ansprechen, kann man bei Fortführung der Therapie mit einem weiteren klinisch signifikanten Visusanstieg rechnen.

Schlussfolgerung:

  • Dies wirft die Frage nach einer Therapieanpassung bzw. nach einer Rescue-Therapie für die Gruppe, bei der mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine insuffiziente Reaktion auf das initiierte Therapieschema zu rechnen ist, auf: zusätzliche Therapie ohne anti-VEGF, Wechsel auf andere anti-VEGF-Agenzien, weiterer Laser oder ein Langzeit-Steroid? Die Studie gibt darauf keine Antwort.

Victor H. Gonzalez, Joanna Campbell, Nancy M. Holekamp, Szila ́ Rd Kiss, Anat Loewenstein, Albert J. Augustin, Julia Ma, Allen C. Ho, Vaishali Patel, Scott M. Whitcup, And Pravin U. Dugel http://dx.doi.org/10.1016/j.ajo.2016.09.012

Sind kurzsichtige Menschen intelligenter?

  • Die Autoren kamen in dieser Studie zu folgendem Schluss: Isoliert betrachtet gibt es eine strenge Korrelation zwischen kognitiver Leistungsfähigkeit und Kurzsichtigkeit, aber bei genauer Betrachtung stellte sich heraus, dass die Anzahl der Ausbildungsjahre eine engere Beziehung zur Myopie als zur kognitiven Leistungsfähigkeit aufweist.
  • D.h. die Beziehung zwischen Myopie und kognitiver Leistungsfähigkeit ist eng mit der Anzahl der Ausbildungsjahre verknüpft.

Invest Ophthalmol Vis Sci. 2016 Oct 1;57(13):5230-5236. doi: 10.1167/iovs.16-19507.,Myopia and Cognitive Performance: Results From the Gutenberg Health Study. Mirshahi A, Ponto KA, Laubert-Reh D, Rahm B, Lackner KJ, Binder H, Pfeiffer N, Unterrainer JM

Ophthalmika in Schwangerschaft und Stillzeit?

  • Eine Beratung für die Medikamentengabe in der Schwangerschaft wird von den Pharmakovigilanz-Zentren (http://www.reprotox.de und http:// www.embryotox.de) angeboten.
  • Prinzipiell keine Bedenken bestehen gegen Ophtalmika als lokale Therapeutika bei: Tropicamid, Atropin, Scopolamin, Lokalanästhetika, β-Blocker (v. a. Timolol), Ofloxacin, Aminoglykosiden, Erythromycin, Aciclovir

T.Ness, W. Paulus, Ophthalmika während Schwangerschaft und Stillzeit, Ophthalmologe 2012 · 109:221–228

Kaiserschnitt bei Augenerkrankungen?

  • Es fehlen einheitliche Richtlinien zum Geburtsmodus bei Augenerkrankungen
  • Es gibt keine evidenzbasierten Daten, die eine allgemeine Empfehlung zum Kaiserschnitt bei proliferativer diabetischer Retinopathie, Glaukom Erkrankung, Myopie und Z.n. Netzhauterkrankung rechtfertigen

A.G.M. Jünemann et al., Einfluss des Geburtsmodus auf vorbestehende Augenerkrankungen, Ophthalmologe 2012 · 109:229–234

Es gibt keine Iod-Allergie

  • Eine echte allergische Typ-1-Immunreaktion auf Iod ist nicht möglich
  • Nicht-allergische Unverträglichkeiten von Povidon-IOD und Kontaktallergien gegen Povidon führen nicht zu einer Anaphylaxie
  • Allergische Reaktionen auf Povidon-Iod, Röntgenkontrastmittel, ICG oder Fisch/Meeresfrüchte richten sich nicht gegen das enthaltene Iod, sondern gegen die jeweilige Grundsubstanz, sodass Kreuzreaktionen zwischen diesen Substanzgruppen nicht zu befürchten sind

Iodallergie, T.U. Krohne et al, Ophthalmologe 2016, 113:1023-1028

Wilder Westen? Antikoagulation bei ophthalmochirurgischen Eingriffen

  • In der Ophthalmologie gibt es zu diesem Thema nur wenige Daten aus prospektiven Registern und randomisierten Studien
  • Für Cataract-Ops und IVOM gilt als Konsens: bei Oberflächenanästhesie keine grundsätzliche Umstellung notwendig
  • Außer für IVOM existieren keine einheitlichen Richtlinien und
  • Bei TE: Berücksichtigung sowohl des OP-Risikos als auch des Blutungsrisikos ist individuell abzuwägen, auch für Vitrektomien existieren keine evidenz-basierten Daten

Thrombozytenaggregationshemmer und Anti-Koagulantien bei augenchirurgischen Eingriffen, N.Feltgen et al, Ophthalmologe 2016, 113:1010-1022

10-Jahres Ergebnisse nach topischer Gabe von Ciclosporin bei schweren Symptomen eines trockenen Auges

  • Kleine retrospektive, Single-Center Studie bei 26 Patienten (85% mit Sjögren-Syndrom-assoziiertem Dry-Eye-Syndrom) mit Follow-up über 10 Jahre
  • Durch den immunmodulatorischen Effekt blockiert topisches Cyclosporin (t-CSA) die T-Zell-Aktivierung und verhindert so die Synthese bestimmter proinflammatorischer Zytokine. In Folge dessen kommt es zu einer Reduktion der lokalen Entzündungsaktivität und zur Wiederherstellung der Oberflächenintegrität im Auge mit vermehrter Tränenproduktion
  • Durchschnittliche Behandlungsdauer mit t-CSA 2 x tgl. über 23 Monate gefolgt von einer durchschnittlichen Zeitspanne von 24 (11-53) Monate ohne tCSA
  • Die Behandlung mit tCSA reduzierte die klinischen Zeichen der KCS und ging bei einem guten Sicherheitsprofil auf lange Sicht mit einer Verbesserung der subjektiven Situation der Patienten und einem geringeren Bedarf an Tränenersatzmitteln einher

Br J Ophthalmol. 2016 Jan 28, Long-term outcome after topical ciclosporin in severe dry eye disease with a 10-year follow-up, Straub M, Bron AM, Muselier-Mathieu A, Creuzot-Garcher C, Br J Ophthalmol. 2016 Jan 28

Real-life Daten zur Behandlung des diabetischen Makulaödems mit Steroid-Implantat

  • Retrospektive, Single-Center Studie ohne Kontrollgruppe mit 128 Augen (89 Patienten) bei 36 Monaten Beobachtungszeit
  • Durchschnittliche DME Dauer: 25 Monate/ durchschnittliche Baseline- Sehschärfe: 50 Buchstaben (20/100)
  • Durchschnittlich 3.6 Inj. über 3 Jahre
  • Visusanstieg >10 Buchstaben nach 24 bzw. 36 Monaten: 40 bzw. 51%
  • Visusanstieg >15 Buchstaben nach 24 bzw. 36 Monaten: 26.1 bzw. 25.4%
  • 47% der phaken Augen benötigten eine Cataract-OP
  • 10% entwickelten eine vorübergehende okuläre Hypertension >25 mmHG (mit lokaler Therapie kontrollierbar)

Real-life study in diabetic macular edema treated with dexamethasone implant: the Reldex Study, Malclès A, Dot C, Voirin N, Agard É, Vié AL, Bellocq D, Denis P, Kodjikian L., Retina 0:1-8, 2016

Prophylaktische Gabe von NSAID nach Cataract-OP zur Vermeidung eines Makulaödems sinnvoll?

  • 34 Studien wurde von Cochrane Forschern zu dieser Frage analysiert (in 28 dieser Studien wurden Steroide mit NSAID vs Steroide allein verglichen, in 6 dieser Studien: NSAID vs Steroid)
  • Es gibt keine starke Evidenz, dass postoperativ verabreichte NSAID, die Entwicklung eines Makulaödems verhindern können
  • Zukünftige Studien sollten sich der unbeantworteten Frage widmen, ob eine prophylaktische Gabe von NSAID Makulaödeme verhindern kann

Cochrane Database of Systematic Reviews, Lim BX, Lim CHL, Lim DK, Evans JR, Bunce C, Wormald R.,Prophylactic non-steroidal anti-inflammatory drugs for the prevention of macular oedema after cataract surgery. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016

Risikofaktoren für eine Netzhautablösung bei hinterer Kapselruptur im Rahmen einer Cataract-OP

  • Daten von 18.065 Patienten aus England nach Cat-OP wurden auf das Risiko einer postoperativen Netzhautablösung gescreent
  • Das Allgemeinrisiko betrug 0.3% über 7 Jahre (durchschnittlich 15 Monate nach OP bei einer Spannweite von 0-84 Monaten),
  • Das Risiko war 5-fach erhöht für Patienten unter 60 Jahren, 4-fach erhöht bei Patienten mit einer Achsenlänge des Bulbus > 25mm und 13-fach erhöht bei hinterer Kapselruptur mit Glaskörperverlust
  • Eine Ruptur der hinteren Kapsel ohne Glaskörperverlust erhöhte das Risiko für eine Netzhautablösung nicht

Risk factors for retinal detachment following cataract surgery: the impact of posterior capsular rupture, Vasileios Petousis, Ahmed A Sallam, Richard J Haynes, C K Patel, Ajai K Tyagi, James N Kirkpatrick, Robert L Johnston, Br J Ophthalmol2016;100:11 1461-1465

Intrakamerale Antibiotikagabe nach Cataract-OP: Vorteile und Risiken

  • Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag die Endopthalmitisrate nach Cataract-OP noch bei 10% (ECCE).
  • In den 1980er bis 1990er Jahren reduzierte sich diese Rate in Europa auf 0.12%, in den USA auf 0.072%.
  • Eine einzige prospektiv randomisierte Studie zu dem Thema wurde 2007 veröffentlicht: sie ergab bei intrakameraler Gabe von 1mg Cefuroxime ein 5-fach reduziertes Risiko, eine postoperative Endophthalmitis zu entwickeln *
  • 2013 wurde Aprokam, als erstes Antibiotikum für den intrakameralen Gebrauch in Europa zugelassen
  • in den USA ist von der FDA bis dato kein intrakamerales Antibiotikum zugelassen worden: off-label Gebrauch von Flouroquinolonen der 4. Generation wie Moxifloxacin oder Vancomycin sind üblich
  • TASS (toxic anterior segment syndrome) als Sorgenkind nach intrakameraler Antibiotikagabe. Ursache: Toxizität des Medikamentes selbst, des Konservierungsmittels, der ph-Änderung oder der Osmolalität?
  • HORV (hemorrhagic occlusive retinal vasculitis) nach intrakameraler Gabe von Vancomycin als neues Syndrom beschrieben – angesichts dessen wurde von der ASCRS und der American Retinal Society eine “Task force” eingesetzt. HORV Fälle können über die Webseite der ASCRS gemeldet werden.

J Cataract Refract Surg. 2016 Nov;42(11):1547-1548, Intraocular antibiotics during cataract surgery: Risks and benefits, Srinivasan S
*ESCRS Endophthalmitis Study Group. Prophylaxis of postoperative endophthalmitis following cataract surgery: results of the ESCRS multicenter study and identification of risk factors. J Cataract Refract Surg 2007; 33:978–988

Neue Medikamentenklasse für das Glaukom nach 20 Jahren?

Aerie Pharmaceuticals hat bei der FDA (U.S. Food and Drug Administration) einen Antrag zur Zulassung für Rhopressa (netarsudil ophthalmic solution) 0.02% gestellt. Rhopressa Augentropfen sollen für Glaukom oder okuläre Hypertension einmal täglich verabreicht werden. Der Antrag zur Zulassung beinhaltet die Ergebnisse der ersten beiden Phase 3 Zulassungsstudien für Rhopressa (Rocket 1 und Rocket 2). Rhopressa greift als drucksenkendes Medikament speziell am trabekulären Maschenwerk an. Präklinische Studien haben gezeigt, dass Rhopressa den episkleralen Venendruck und die Kammerwasserproduktion senken kann.

Langzeitergebnisse nach DMEK

Die DMEK (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty) wurde 2006 durch Melles eingeführt und entwickelt sich mehr und mehr zur Therapie der Wahl bei kornealer, endothelialer Dysfunktion.
Bei einer Dicke des Transplantates von nur 15μm stellt sie nach wie vor eine chirurgische Herausforderung dar.
In dieser retrospektiven, Single-Center Studie wurden die Langzeitergebnisse bis zu 5 Jahren nach DMEK von 97 Augen untersucht. Es wurden Parameter wie die beste, korrigierte Sehleistung, Endothelzelldichte (ECD), zentrale Hornhautdicke (CCT) und die Transplantatüberlebensrate zur Analyse hinzugezogen.
Die beste korrigierte Sehleistung bei einer Nachbeobachtungszeit von 53 ± 13 Monaten verbesserte sich von 0.62±0.42 logMAR vor DMEK auf 0.13±0.12 logMAR (P<0.01).
57% der Augen ohne Komorbidität erreichten eine Sehschärfe von ≥ 20/25 5 Jahre nach DMEK. Die ECD war nach einem initialen postoperativen Abfall nach 5 Jahren stabil.
Die CCT dünnte sich nach DMEK von 644 ± 67μm auf 557 ± 49μm nach 5 Jahren aus. Die kumulative Wahrscheinlichkeit einer 5-Jahres Überlebensrate der Transplantate betrug 95%.
Die Autoren schließen aus den Ergebnissen der Studie, dass die Langzeitnachhaltigkeit der DMEK bestätigt werden konnte.

Schlögl A, Tourtas T, Kruse FE, Weller JM.,Am J Ophthalmol. 2016 Sep;169:218-26

Antibiotika im Vergleich zu Placebo bei der Toxoplasmose Retinochorioiditis

Die Autoren dieser Studie verglichen durch eine intensive Analyse 4 randomisierter, kontrollierter Studien mehrerer Datenbasen die Wirkweise einer oralen antibiotischen Therapie bei Toxoplasma-Retinochorioiditis im Vergleich zu Placebo oder keiner Therapie. Der primäre Augenmerk lag bei dieser Studie auf der Sehkraft nach mindestens 3 Monaten nach Therapie und dem Risiko eines Rezidives. Weiterhin wurde die Verbesserung der Symptome, Zeichen der intraokularen Entzündung, Läsionsgröße und unerwünschte Nebenwirkungen untersucht. Hauptaussagen dieser Analyse sind: Die Behandlung reduziert wahrscheinlich das Risiko eines Rezidives, aber es gibt keine gesicherte Evidenz, dass sich die Sehkraft verbessert.

Antibiotics versus no treatment for toxoplasma retinochoroiditis, Cochrane Database Syst Rev.2016 May;(5)

Bevorzugte Behandlungsstrategien bei RCS

Diese Studie beschäftigt sich mit individuellen Behandlungsstrategien renommierter Netzhautspezialisten in Asien, Europa und den USA für die Retinopathia centralis serosa (RCS), für deren Therapie es keine anerkannten prospektiven, randomisierten Studien und somit keine standardisierte Therapieempfehlung gibt. Zur Ermittlung der Therapiestrategien wurde ein 27 Punkte Fragenkatalog an Netzhautspezialisten geschickt, die mindestens eine Publikation als Erstautor in einem nationalen oder internationalen „peer reviewed“, englischsprachigen Magazin in den letzten 2 Jahren veröffentlicht haben.
Es konnten 107 Antworten ausgewertet werden.
Bei akuter RCS ziehen es 79.1% der Retinologen vor, den Verlauf 3 Monate zu beobachten.  Die Photodynamische Therapie (PDT) wird von 66.7% als Option bei chronischer RCS gewählt, wobei die PDT in 60.6% als mit ganzer Dosis und halber Bestrahlungszeit durchgeführt wird.
Bei chronischer RCS mit intraretinalen zystischen Veränderungen entschieden sich 43.1% für ein abwartendes Beobachten.
Diagnostisch wird in 59.8% das EDI OCT angewendet (zur Messung der verdickten Chorioidea), wobei die ICG Angiographie nur in 37.8% der Fälle zur Anwendung kam. Als einziger regionaler Unterschied zeigte sich bei den asiatischen Retinologen eine Vorliebe für den fokalen Laser als initiale Therapie.
Medikamentös entschieden sich 36.1% für Eplerenone (Mineralcorticoid-Antagonist) als First-line Therapie.  41.2% haben anti-VEGF versucht und es als wenig hilfreich deklariert. Weiterhin als orale Therapie wurde Spironolacton (11.5%), Rifampin (6.6%) und Melatonin (3.3%) eingesetzt.

Mehta PH, et al. Br J Ophthalmol 2016;0:1–4. doi:10.1136/bjophthalmol-2016-309247

Presbyopiekorrektur durch corneales Raindrop Inlay

ReVision Optics hat die Markteinführng nach Zulassung durch die FDA in den USA des cornealen Raindrop Inlay zur Presbyopiekorrektur verkündet. Raindrop ist ein klares, biokompatibles Inlay, das im nicht-dominanten Auge in einer ca. 10 minütigen Prozedur ambulant eingesetzt wird. Das Implanat wird nach cornealer Flap-Bildung aufgesetzt, wobei diese Prozedur auch mit Lasik kombiniert werden kann.
Mit nur 2mm Durchemsser und einer zentralen Dicke von 32μm verändert das aus Hydrogel bestehende Implantat die Refraktion durch Vergrößerung des zentralen Radius der Hornhautkurvatur.

Aktuelle Studienlage der Uveitis-Therapie

Ergebnisse der Studie Visual II zeigen, dass Adalimumab das Risiko eines uveitisches Reizzustandes nach Ausschleichen von Steroiden bei inaktiver, nicht-infektiöder Uveitis reduzieren kann.
Die klinische ISUAL I und andere klinische Studien haben gezeigt, dass das anti-TNF-alpha Medikament sicher und wirksam zur Behandlung einer aktiven Uveitis ist und den Steroidbedarf reduzieren kann.
In einer randomisierten Studie mit 229 Patienten (62 Studienorte in 21 Ländern) wurde Adalimumab dahingehend untersucht, ob es in der Lage ist, eine Reaktivierung einer nicht-infektiöen, steroidpflichtigen Uveitis zu verhindern. Die durchschnittliche Beobachtungszeit betrug 155 Tage in der Placebo-Gruppe und 245 Tage in der Adalimumab-Gruppe. In der Placebo-Gruppe kam es zu einem Behandlungsversagen in 55% der Fälle und 39% in der Adalimumab-Gruppe. Die durchschnittliche Zeit bis zum Therapieversagen betrug 8.3 Monate mit Placebo verglichen mit über 18 Monate in der Behandlungsgruppe.
Adalimumab wird zeitnah in die Leitlinien der DOG zur Behandlung der nicht-infektiösen intermediären, posterioren und Panuveitis aufgenommen werden (Information durch Vortrag Prof. Heiligenhaus, DOG 1.10.2016)

Jaffe et al., N Engl J Med 2016: 375:932-943; Nguyen et. Lancet 2016; Aug 16

Additive Effekte von Orthokeratologie und Atropin 0,01 % Augentropfen zur Verlangsamung der axialen Elongation bei Kindern mit Kurzsichtigkeit: Ein Jahresergebnis

Real-life klinische Daten für Dexamethason und Ranibizumab bei der Behandlung von Venenast- oder Zentralvenenverschlüssen über 6 Monate

Diese Studie evaluiert das therapeutische Ergebnis für Dexamethasonimplantat- (DEX) oder intravitreale Ranibizumab (IVR)-Injektionen über 6 Monate bei Patienten mit Makulaödem aufgrund eines Venenast- oder Zentralvenenverschluss (BRVO, CRVO) in einem „Real world“ Setting.

Insgesamt wurden 107 Patienten in diese retrospektive single-center Beobachtungsstudie eingeschlossen.

Die Patienten wurden mit einer Monotherapie bestehend aus DEX oder drei monatlichen IVR-Injektionen nach dem PRN-Schema behandelt.

In dem klinischen Setting wurde eine vergleichbare Verbesserung der best- korrigierten Sehschärfe und Veränderungen der zentralen Makuladicke nach DEX- und IVR-Injektionen zur Behandlung von Venenastverschlüssen beobachtet. CRVO-Patienten zeigten bessere Ergebnisse unter IVR-Therapie.


Reallife clinical data for dexamethasone and ranibizumab in the treatment of branch or central retinal vein occlusion over a period of six months, Winterhalter S et al, Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2018 Feb;256(2):267-279.

Real-World Sehschärfe bei Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration, die mit einem einzelnen Anti-VEGF-Medikament Typ für 1 Jahr behandelt wurden

Der Zweck dieser Studie ist es, die Sehschärfe (VA) in der realen Welt bei Patienten mit neovaskulärer altersbedingter Makuladegeneration (nAMD) zu vergleichen, die von der American Academy für 1 Jahr mit einer einzigen anti-vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF) -Medikament-Monotherapie behandelt wurden.

In dieser retrospektiven, nicht randomisierten, vergleichenden Studie wurden fast 14000 Patienten eingeschlossen, die Bevacizumab, Ranibizumab oder Aflibercept nur für 1 Jahr zwischen 2013-2016 erhielten.

Diese Studie legt nahe, dass alle 3 Medikamente die Sehschärfe in einem Jahr der Monotherapie ähnlich verbessern.


RealWorld Vision in AgeRelated Macular Degeneration Patients Treated with Single Anti-VEGF Drug Type for 1 Year in the IRIS Registry, Rao Pet al, Ophthalmology. 2018 Apr;125(4):522-528

Beurteilung der makulären inneren plexiformen Ganglienzellschicht und der zirkumpapillären retinalen Nervenfaserschicht in frühen bis fortgeschrittenen Stadien des Glaukoms: Korrelation mit zentralen visuellen Funktion und Gesichtsfeldindizes

Einhundertvierzig Patienten wurden in diese prospektive Querschnittsstudie eingeschlossen. Probanden, bei denen ein chronisches Offenwinkelglaukom und eine Sehschärfe von 20/40 oder besser diagnostiziert worden waren, wurden anhand der Hodapp-Parrish-Anderson-Kriterien als frühe, mittelgradige oder schwere GF-Defekte klassifiziert. cpRNFL und makuläre GCIPL (Ganglion Cell-Inner Plexiform Layer)wurden mit dem Cirrus High-Definition-OCT gemessen. Sowohl die zentrale Netzhautempfindlichkeit sowie Sehschärfe wurden aufgezeichnet.

Alle OCT-Messungen unterschieden sich signifikant zwischen Patienten mit frühen und schweren GF-Defekten (p < 0,001). Korrelationen zwischen der zentralen Sicht und den GF-Indizes mit OCT-Messungen waren moderat, aber signifikant; besser korrelierte OCT-Parameter waren der inferiore cpRNFL-Quadrant, die durchschnittliche cpRNFL-Dicke, die inferioren und inferioren temporären GCIPL-Sektoren und die minimale GCIPL-Dicke. Die Sehschärfe korrelierte weder mit zirkumpapillären noch mit Makula-OCT-Messungen.

Makuläre GCIPLParameter zeigten vergleichbare Resultate wie cpRNFL bei verschiedenen Stadien des Glaukoms. Inferiore makuläre GCIPL-Sektoren, minimale GCIPL-Dicke und der inferiore cpRNFL-Quadrant differenzieren am besten den Schweregrad der Erkrankung und korrelieren mit der zentralen visuellen Funktion und den GF-Indizes.


Evaluation of the Macular Ganglion Cell-Inner Plexiform Layer and the Circumpapillary Retinal Nerve Fiber Layer in Early to Severe Stages of Glaucoma: Correlation with Central Visual Function and Visual Field Indexes, Bambo MPet al, Ophthalmic Res. 2017;57(4):216-223.

Der therapeutische Effekt von Tacrolimus 0.1 % Augentropfen bei der tarsalen Form der Keratoconjunctivitis vernalis

<span>Ziel dieser Studie war es, die Wirksamkeit und Sicherheit von Tacrolimus 0.1 % Augentropfen bei der tarsalen der Form der vernalen Keratokonjunktivitis (VKC) zu bewerten und die Veränderungen der dendritischen Zellen an der Bindehaut durch in-vivo konfokale Mikroskopie zu untersuchen.<o:p></o:p></span>

<span>Insgesamt wurden 17 Patienten (34 Augen) in diese prospektive, nicht randomisierte Fallserie eingeschlossen. Sie wurden nach Absetzen aller anderen topischen Medikamente zweimal täglich mit 0,1 % Tacrolimus-Augentropfen behandelt.<o:p></o:p></span>

<span>Nach einer Woche Behandlung mit 0,1 % Tacrolimus-Augentropfen zeigte der Score für jedes Symptom bei allen Patienten eine signifikante (p &lt; 0,001) Verbesserung und bei 13 Patienten (76 %) eine dramatische Linderung der Symptome. Darüber hinaus gab es nach 4 Wochen einen signifikant verringerten klinischen Punkte-Score (mit Ausnahme von Makropapillen) und nach 8 Wochen Behandlung eine signifikante Verbesserung in der Bewertung von Makropapillen. Während der Nachbeobachtung waren keine anderen topischen Medikamente erforderlich und es wurden keine signifikanten Veränderungen der Sehschärfe dokumentiert. Die bei 5 Patienten (29 %) berichteten Nebenwirkungen wie Kribbeln, Brennen oder Dyskomfort könnte die Compliance einiger Patienten beeinträchtigen</span><span>.<o:p></o:p></span>

<hr />

<h6><span>Therapeutic Effect</span><span> </span>of 0.1 %<span> </span><span>Tacrolimus</span><span> </span>Eye Drops in the Tarsal Form of Vernal Keratoconjunctivitis.
Wan, Q et al, <span><a href=”https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=wan+q+therapeutic+effect+of+0.1%25+Tacrolimus”>Ophthalmic Res.</a></span><span> </span>2018;59(3):126-134.</h6>

Wirksamkeit und Sicherheit von intravitrealem Aflibercept für die polypoidale choroidale Vaskulopathie in der PLANET-Studie

Die polypoidale choroidale Vaskulopathie (PCV) tritt in asiatischen Populationen häufig auf. Bisher fehlt jedoch ein klar definierter, optimaler Behandlungsansatz.

Diese 96-wöchige, randomisierte klinische, doppelblinde, Sham-kontrollierte Phase 3b / 4 Studie wurde weltweit an mehreren Zentren durchgeführt. Sie umfasste 318 Erwachsene (50 Jahre oder älter) mit symptomatischer PCV bei einer bestkorrigierten Sehschärfe von 73 bis 24 ETDRS Buchstaben. Die Teilnehmer erhielten zunächst alle 2 mg Aflibercept (IAI) in den Wochen 0, 4 und 8.

In Woche 12 wurden die Teilnehmer mit einer suboptimalen Antwort 1 : 1 randomisiert, um IAI plus Schein-PDT (IAI-Monotherapie) oder eine “Rescue” von IAI plus PDT (IAI / PDT) zu erhalten. Teilnehmer, die nicht die Kriterien für die Rescue Gruppe erfüllten, erhielten weiterhin alle 8 Wochen IAI; diejenigen, die für die Rescue Gruppe in Frage kamen, erhielten IAI alle 4 Wochen plus Sham oder aktive PDT.

Wenn die Rescue-Kriterien nicht mehr erfüllt waren, wurden die Injektionsintervalle schrittweise auf 8 Wochen verlängert. Die Ergebnisse der Monotherapie mit IAI waren gegenüber IAI / PDT für den primären Endpunkt nicht unterlegen (+10,7 vs. +10,8 Buchstaben), wobei nur wenige Teilnehmer eine Notfalltherapie benötigten (19 [12,1 %] versus 23 [14,3 %]). Die Teilnehmer in beiden Behandlungsgruppen hatten ähnliche Reduktion in der zentralen Maculadicke vom Ausgangswert bis Woche 52 (-137,7 [IAI-Monotherapie] vs -143,5 μm [IAI / PDT]).

In Woche 52 hatten 49 (38,9 %) und 60 Teilnehmer (44,8 %) keine polypoidalen, durch ICG nachweisbare Läsionen mehr. Darüber hinaus wiesen 116 (81,7 %) bzw. 136 (88,9 %) keine Leckage in den polypoidalen Läsionen mehr auf. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse am Auge waren Bindehautblutungen und trockenes Auge.

Bei mehr als 85 % der Teilnehmer, die mit einer IAI-Monotherapie behandelt wurden, wurde eine Verbesserung der visuellen und / oder funktionellen Ergebnisse erzielt, wobei bei mehr als 80 % der Patienten keine Anzeichen für eine Leckage der polypoidalen Läsionen zu beobachten war. Da weniger als 15 % die Kriterien einer suboptimalen Antwort, um die PDT zu erhalten, erfüllten, kann der potenzielle Nutzen einer PDT-Zugabe nicht bestätigt werden.


Efficacy and Safety of Intravitreal Aflibercept for Polypoidal Choroidal Vasculopathy in the PLANET Study.
Won Ki Lee et al, JAMA Ophthalmol. Published online May 2018

Photorefraktive intrastromale Cross-linking (PiXL) ohne Abrasio zur Reduktion einer geringen Myopie

Ziel dieser Studie ist es, frühe klinische Ergebnisse einer neuen Anwendung der Hornhautvernetzung zur Reduktion von geringer Myopie mit maßgeschneiderter topographisch orientierter Steuerung der UV Fluenz zu beschreiben.

Vierzehn kurzsichtige Augen (mittlere manifeste refraktive sphärische Äquivalent -1,62 ± 0,6 D; Bereich -0,75 bis -2,65 D) von 8 Probanden (Durchschnittsalter 30 Jahre) wurden in die Studie aufgenommen.

12 Monate nach dem Eingriff wurde eine mittlere manifeste refraktive sphärische Äquivalenzreduktion von 0,72 ± 0,43 D (P < 0,001) beobachtet, mit einem entsprechenden Anstieg der unkorrigierten Sehschärfe von 0,25 logMAR und einer mittleren K-mittleren Abflachung von 0,47 ± 0,46 D. Alle Patienten erreichten ab 1 Monat die bestkorrigierte Sehschärfe von 20/20 oder besser.

Das Epithel-on-PiXL-Verfahren war in dieser Studie mit bis zu 12 Monaten Follow-up sicher und wirksam bei der Verringerung der Kurzsichtigkeit.


Epithelium-on photorefractive intrastromal cross-linking (PiXL) for reduction of low myopia.
Lim WK et al, Clin Ophthalmol. 2017 Jun 27;11:1205-1211.