fon: +49 89 954577900 | info@kn-o.com

Wissenschaftlicher Newsletter 04/2019

FDA lässt Rocklatan als Augentropfenkombination für Offenwinkelglaukom und okuläre Hypertension zu

Die Kombination Rocklatan bestehend aus Netarsudil und Latanoprost von Aerie Pharmaceuticals wurde von der FDA zugelassen.

Rocklatan ist ein Kombinationspräparat aus Prostaglandinanalogon Latanoprost (0,005 %) und den Rho-Kinase (ROCK) -Inhibitor Netarsudil (0,02 %), dem Wirkstoff von Rhopressa (Zulassung durch die FDA im Dez 2017), welches einmal täglich verabreicht wird.

Daten aus neuesten klinischen Studien zeigen, dass Rocklatan den Augeninnendruck wirksamer senkt als seine einzelnen Komponenten.

In MERCURY 1 und MERCURY 2, zwei multizentrische Phase-3-Studien von Aerie, wurden Patienten mit Offenwinkelglaukom oder okulärer Hypertonie in 3 Gruppen randomisiert, um Rocklatan, Netarsudil oder Latanoprost zu erhalten. In beiden Studien erreichte Rocklatan seinen primären Endpunkt für die Wirksamkeit von 90 Tagen und zeigte zu jedem Zeitpunkt eine überlegene IOD-Reduktion gegenüber Latanoprost und Netarsudil als Einzelpräpaprat. Mehr als 60 % der Patienten, die Rocklatan erhielten, erzielten eine Verringerung des Augeninnendrucks um 30 % oder mehr, fast doppelt so viel wie durch Latanoprost allein. Verglichen mit dem Latanoprostarm erreichten fast doppelt so viele Patienten im Rocklatan-Arm einen IOP von 16 mmHg oder weniger und fast dreimal so viele erreichten 14 mmHg.

Laut der Pressemitteilung waren die okulären Nebenwirkungen mild und tolerierbar mit minimalen systemischen Nebenwirkungen. Das häufigste okuläre unerwünschte Ereignis, das mit Rocklatan in Verbindung gebracht wurde, war eine konjunktivale Hyperämie. Andere häufige unerwünschte Ereignisse am Auge waren Schmerzen an der Instillationsstelle, Cornea verticillata und konjunktivale Blutungen.

Aerie plant, Rocklatan (früher als Roclatan bekannt) in den Vereinigten Staaten im zweiten Quartal 2019 auf den Markt zu bringen.


Keng Jin Lee, Aerie Pharmaceuticals, et al.: FDA approves Rocklatan for open-angle glaucoma, ocular hypertension. American Academy of Ophthalmology 2019; https://www.aao.org/headline/fda-approves-rocklatan-open-angle-glaucoma-ocular-

Anti-VEGF-Therapie bei diabetischer Retinopathie: Konsequenzen bei Therapieunterbrechung

Es handelt sich um eine kleine retrospektive Studie einer Gruppe von 12 Patienten, die ausschließlich mit Anti-VEGF bei proliferativer (PDR) oder nicht-proliferative diabetische Retinopathie (NPDR) mit oder ohne diabetisches Makulaödem (DME) zunächst behandelt wurden und dann für eine mittlere Dauer von 12 Monaten keine weitere Therapie erhielten. Ursachen für die Unterbrechung der Behandlung waren u. a. Co-Morbiditäts bedingter Ausfall (31 %), Non-Compliance (31 %) und finanzielle Probleme (15 %). Acht Augen hatten vor der Behandlungsunterbrechung einen Visus von 20/80 oder besser. Komplikationen beim Follow-up waren Glaskörperblutungen (9 Augen), neovaskuläres Glaukom (5 Augen) und Netzhautablösung (4 Augen). Trotz der Behandlung dieser Komplikationen verloren 77 % der Augen ≥ 3 VA-Linien, wobei 46 % der Augen mit einem Visus von Handbewegung oder schlechter rauskamen.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass Ärzte sorgfältig zwischen panretinaler Photokoagulation, Kombinationstherapie oder alleiniger Anti-VEGF als Behandlung individuell für jeden einzelnen Patienten entscheiden müssen.

Diese wenn auch kleine Studie zeigt uns, welche Folgen eine Unterbrechung der anti-VEGF Monotherapie bei behandlungsbedürftigen Diabetikern haben kann – nämlich ein starkes Fortschreiten der Erkrankung mit möglicherweise verheerenden, irreversiblen Folgen für das Augenlicht.


Wubben TJ, Am J Ophthalmol. 2019 Mar 13. doi: 10.1016/j.ajo.2019.03.005. (Epub ahead of print); Anti-VEGF Therapy for Diabetic Retinopathy: Consequences of Inadvertent TreatmentInterruptions.

Masern, Mumps, Rötelnimpfung und Autismus: Eine landesweite Kohortenstudie in Dänemark

Hintergrund dieser Studie war die hypothetische Verbindung zwischen dem Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR) und dem Auftreten von Autismus, welche die Impfbereitschaft in der Bevölkerung reduziert.

Zielsetzung der Studie war es zu beurteilen, ob das Risiko für Kinder, Autismus nach der MMR-Impfung zu entwickeln, erhöht ist.

In dieser bundesweiten Kohortenstudie in Dänemark wurden 657 461 Kinder, die zwischen 1999 und dem 31. Dezember 2010 in Dänemark geboren wurden, mit Follow-up von einem Jahr bis zum 31. August 2013, eingeschlossen.

Während der Nachbeobachtungszeit von 5 025 754 Personenjahren wurde bei 6517 Kindern Autismus diagnostiziert (Inzidenzrate 129,7 pro 100 000 Personenjahre). Der Vergleich von mit MMR geimpften Kindern, die nicht mit MMR geimpft wurden, ergab eine Autismusgefährdungsquote von 0,93 (95-%-KI, 0,85 bis 1,02). Auch wurde kein erhöhtes Risiko für Autismus nach einer MMR-Impfung in Untergruppen von Kindern beobachtet, die nach Geschwistergeschichte von Autismus, Autismusrisikofaktoren (basierend auf einem Risikobewertungswert für Krankheiten) oder anderen Impfungen definiert wurden.

Die Studie spricht sich nachdrücklich dafür aus, dass die MMR-Impfung kein erhöhtes Risiko für Autismus darstellt, bei anfälligen Kindern keinen Autismus auslöst und nicht mit einem Clustering von Autismusfällen nach der Impfung zusammenhängt. Dies bestätigen auch Ergebnisse früherer Studien.


Hviid A et al.;Measles, Mumps, Rubella Vaccination and Autism: A Nationwide Cohort Study.
Ann Intern Med. 2019 Mar 5. doi: 10.7326/M18-2101. [Epub ahead of print]

Povidon-Iod / Dexamethason -Suspension für akute virale Konjunktivitis

In dieser randomisierten, doppelmaskierten, durch ein „Vehikel“ *(siehe unten) kontrollierten Studie wurden die Patienten 1 : 1 randomisiert und erhielten entweder 5 % PVP-I 0,6 % / DEX 0,1 % Suspension oder ein Vehikel, das als Einzeltropfen in beide Augen verabreicht wurde. Die Studie ging über 11 bis 14 Tage mit insgesamt vier Visiten.

Insgesamt 132 Patienten wurden randomisiert und behandelt (PVP-I / DEX, n = 66; Vehikel, n = 66).

Die 4 mal tägliche Verabreichung von PVP-I 0,6 % / DEX 0,1 % als ophthalmologische Suspension für 14 Tage wurde im Allgemeinen gut toleriert und wies ein akzeptables Sicherheitsprofil auf, das mit dem bekannten pharmakologischen Profil von PVP-I und DEX übereinstimmte. Insgesamt wurden Trends zur besseren Wirksamkeit bei PVP-I / DEX-Therapie beobachtet, jedoch sind umfangreiche Phase-III-Studien mit mehr Patienten, um die Wirksamkeit dieser Kombination bei adenoviraler Konjunktivitis besser einordnen zu können, notwendig. Diese Studien laufen bereits und sollten bald weitere Informationen liefern.


Jay S Pepose et al., Clinical Ophthalmology 2019:13, 535–544
(*Ein topischer Vergleich in einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) sollte korrekt als Vehikel und nicht als Placebo bezeichnet werden, da das Vehikel in einem dermatologischen Arzneimittel die Abgabe und Wirksamkeit des Wirkstoffs verbessert.
Shamsudin N et al, J Drugs Dermatol.2010 Oct;9(10):1221-6. Vehicle or placebo? Investigators use incorrect terminology in randomized controlled trials half of the time: a systematic review of randomized controlled trials published in three major dermatology journals.)

Demodex-Milbenbefall und seine Assoziationen mit Tränenfilm- und Augenoberflächenparametern bei Patienten mit Augenbeschwerden

Die Anwesenheit von Demodex-Milben im Lidbereich kann mit Blepharitis einhergehen. Ihr pathogenetisches Potenzial bei der Meibom-Drüsen-Dysfunktion ist Gegenstand einer vividen Diskussion. Ziel dieser Studie war es, die Prävalenz von Demodex-Milben in Wimpern österreichischer Patienten mit Augenbeschwerden zu ermitteln und die damit verbundenen Veränderungen der Lidränder und der Meibom-Drüsen einordnen zu können.

In dieser Fall-Kontroll-Studie wurden 229 Patienten mit Augenbeschwerden in einer österreichischen Klinik für trockenes Auge auf das Vorhandensein von Demodex-Milben in den Wimpern untersucht. Bewertet wurden im Folgenden die Assoziationen eines Milbenbefalls mit individuellen Parametern für trockenes Auge und Lid.

Bei 40,2 % der Patienten mit Augenbeschwerden wurden Demodex-Milben identifiziert (mittlere Milbenzahl 3,3 ± 2,9 pro Patient).

Somit ist die Prävalenz von Demodex-Milben bei Patienten mit Augenbeschwerden unerwartet hoch. Die mittlere Milbenanzahl pro Patient in dieser österreichischen Bevölkerung mit trockenen Augen ist im Vergleich zu zuvor veröffentlichten Daten aus asiatischen Regionen niedriger. Der Befall der Augenlider mit Demodex-Arten ist mit Veränderungen des vorderen und hinteren Lidrandes verbunden, was auf eine pathogene Rolle bei Blepharitis und Dysfunktion der Meibom-Drüsen hindeutet.


Rabensteiner, DF, Demodex mite infestation and its associations with tear film and ocularsurface parameters in patients with ocular discomfort, AM J Ophthalmol. 2019 Mar 15. doi: 10.1016/j.ajo.2019.03.007. [Epub ahead of print]
.

Lasertrabekuloplastik als First-line-Therapie?

Das primäre Offenwinkelglaukom und die okuläre Hypertonie werden üblicherweise mit drucksenkenden Augentropfen behandelt. Die selektive Lasertrabekuloplastik ist eine sichere Alternative, wird jedoch selten als First-Line-Behandlung eingesetzt.

Fragestellung der britischen LiGHT-Studie war, ob die selektive Lasertrabekuloplastik als Ersttherapie bei Patienten durchgeführt werden kann. In der aktuell größten randomisierten Studie zu dieser Fragestellung wurden an 6 britischen Kliniken 718 erwachsene Patienten in eine Gruppe mit selektiver Lasertrabekuloplastik randomisiert (n = 356) und in eine zweite mit medikamentöser Behandlung (n = 362) eingeteilt. Die Teilnehmer hatten einen Visus von mindestens 6/36 in den zu behandelnden Augen und keine vorherigen intraokulare Operationen. Primärer Endpunkt der Studie war die Lebensqualität der Patienten nach 3 Jahren in den beiden Therapiegruppen. Sie steht im frühen Stadium der Erkrankung im Vordergrund. Die allgemeine Lebensqualität wurde mit dem Fragebogen EQ-5D ermittelt. Nach 36 Monaten gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen (EQ5D-Score: 0,89 bei Lasertherapie vs. 0,90 bei medikamentöser Behandlung). Auch bei den glaukomspezifischen Lebensqualitätsparametern, ermittelt über den Glaukom Utility Index, die Glaucoma Symptom Scale und den Fragebogen Glaucoma Quality of Life 15, gab es in 36 Monaten keine signifikanten Differenzen. Die frühzeitige Lasertherapie erwies sich als äußerst effektiv. Insgesamt 74,2 % der Patienten benötigten 36 Monate nach der Lasertherapie keine Augentropfen mehr. Bei 93,0 % der gelaserten Augen wurde nach den regelmäßigen Kontrollen bis zu 3 Jahren ein normaler Augeninnendruck gemessen gegenüber 91,3 % der primär medikamentös behandelten Augen. Die hohe Erfolgsrate wirkte sich im britischen Gesundheitssystem günstig auf die Kosten aus: Die Wahrscheinlichkeit, mit der Laserbehandlung als First-line-Therapie Kosten einzusparen, betrug 97 %.


Gazzard G, Konstantakopoulou E, Garway-Heath D, et al.: Selective laser trabeculoplasty versus eye drops for first-line treatment of ocular hypertension and glaucoma (LiGHT): a multicentre randomised controlled trial. Lancet 2019; http://dx.doi.org/10.1016/S0140–6736(18)32213-X.

Faktoren im frühen Lebensalter zur Entwicklung einer Myopie nach der British Twins Early Development Study

Die Twins Early Development Study (TEDS) ist eine longitudinale Studie einer Zwillingskohorte, die mit multivarianten und molekulargenetischen Methoden untersucht wurde, mit besonderem Fokus auf Neuroentwicklung, Kognition und Bildung. Die untersuchten Zwillinge wurden zwischen 1994 und 1996 geboren.Optiker lieferten aus den Daten ihrer Augentests Informationen über die Myopie und die Forscher analysierten demographische, soziale, wirtschaftliche, pädagogische und verhaltensbedingte Faktoren der Zwillingspaare, als diese Kinder 2, 3, 4, 7, 8, 10, 12, 14 und 16 Jahre alt waren, um entscheidende Stadien der Kinder- und Augenentwicklung zu dokumentieren.Eltern und Lehrer füllten umfassende Fragebögen aus und die Zwillinge führten webbasierte Beurteilungen durch, um ein breites Spektrum an Hintergrundinformationen und potenziell relevanter Informationen zu Faktoren zu erhalten, die die frühkindliche Entwicklung beeinflusst haben könnten.Das Durchschnittsalter der ersten Brillenversorgung bei Myopie betrug 11 Jahre. Ungefähr jeder 20. (5,4 %) wies eine Amblyopie auf und fast 4,5 % litten an Strabismus. Insgesamt war jeder vierte (26 %) der Zwillinge kurzsichtig.

Die Künstliche Befruchtung schien einen Schutz gegen Myopie zu bieten und war mit einem um 25–30 Prozent geringeren Risiko verbunden. Die Forscher spekulieren, dass Kinder, die als Ergebnis einer Künstliche Befruchtung geboren wurden, oft kleiner und etwas verfrüht geboren werden und möglicherweise eine gewisse Entwicklungsverzögerung aufweisen, was möglicherweise zu einer kürzeren Augenlänge und somit einer geringeren Myopie führt. Die Autoren versuchten die Frage zu klären, welche frühkindlichen Lebensfaktoren heutzutage zur Kurzsichtigkeit beitragen könnten. Sie konnten Erziehung durch die Mutter, frühe Einschulung und stundenlanges Spielen von Computerspielen als entscheidende Prädiktoren für die Myopie Heranwachsender evaluieren.


Williams KM, Early life factors for myopia in the British Twins Early Development Study
Br J Ophthalmol 2018 Nov 6, doi: 10.1136/bjophthalmol-2018-312439. [Epub ahead of print]