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Wissenschaftlicher Newsletter 11/2018

Kein nachweisbar vorteilhafter Effekt von Omega-3-Fettsäuren gegenüber Placebo bei der Behandlung des trockenen Auges

In einer doppelt verblindeten Multicenterstudie erhielten Patienten mit mäßiger bis starker Keratoconjunctivitis sicca randomisiert entweder täglich 3000 mg n-3-Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure oder ein Placebo auf Olivenölbasis. Andere Medikamente durften weiterverwendet werden. Nach 6 und 12 Monaten wurden der Ocular Surface Disease Index, Bindehaut- und Hornhautfärbetests, Messung der Tränenfilmaufreißzeit (BUT) und Schirmer-Test in beiden Gruppen durchgeführt bzw. angewandt.

Es konnte zwischen der Behandlungs- und Placebogruppe kein statistisch nachweisbarer, signifikanter Vorteil für Omega-3-Fettsäuren nachgewiesen werden.


Dry Eye Assessment and Management Study Research Group, Asbell PA, Maguire MG, Pistilli M, Ying GS, Szczotka-Flynn LB, Hardten DR, Lin MC, Shtein RM., N Engl J Med. 2018 May 3;378(18):1681-1690

Aflibercept bei nAMD – Hilft viel, viel?

In dieser retrospektiven, interventionellen Fallserie wurden Patienten mit feuchter altersbedingter Makuladegeneration schrittweise eskalativ bzgl. Dosis und Frequenz mit Aflibercept behandelt.

Nicht vitrektomierte Patienten, die bei monatlicher intravitrealer Injektion mit Ranibizumab / Bevacizumab resistent waren, wurden alle 8 Wochen auf 2 mg Aflibercept umgestellt. Bei weiterem Nichtansprechen wurden sie auf monatliche Injektionen mit 2 mg Aflibercept umgestellt, dann auf 4 mg alle 4 Wochen Aflibercept.

Resistenz wurde definiert als  Rezidive nach erzielter trockener Makula nach 3 Injektionen oder anhaltende Exsudation bei der Behandlung von  5 Injektionen.

33 Augen von 28 Patienten wurden mit Hochdosis (4 mg) monatlich (4Q4W) Aflibercept behandelt und im Durchschnitt 16 Monate lang beobachtet. Eine trockene Netzhautsituation (keine intraretinale oder subretinale Flüssigkeit) wurde nach Beginn einer 4Q4W-Aflibercept-Behandlung im Durchschnitt nach 3,8 Monaten erreicht. Die zentrale foveale Dicke, die maximale foveale Dicke, die intraretinale Flüssigkeit, die subretinale Flüssigkeit und die Höhe der retinalen Pigmentabhebung nahmen einen Monat nach Beginn des 4Q4W-Aflibercept signifikant ab, und der morphologische therapeutische Effekt hielt bis zum letzten Besuch an. 45 % der Augen hatten eine oder mehr Linien Visusanstieg. Eine geographische Atrophie entwickelte sich in 9 % der Augen während des Follow-up.


High-dose high-frequency Aflibercept for recalcitrant neovascular age-related macular degeneration, Qi Sheng You et al; RETINA 38:1156–1165, 2018

Die longitudinale Beziehung zwischen retinaler diabetischer Neurodegeneration und Progression der diabetischen Retinopathie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes

In dieser retrospektiven Kohortenstudie wurde die longitudinale Beziehung zwischen diabetischer retinaler Neurodegeneration und der Progression der diabetischen Retinopathie (DR) durch Messung der Makula-Ganglienzell-inneren plexiformen Schicht (mGCIPL) Dicke bei Patienten mit Typ-2-Diabetes (T2DM) untersucht.

T2DM-Patienten ohne DR oder mildem nichtproliferativen DR (NPDR), die über 4 Jahre nachbeobachtet wurden, wurden in diese Studie eingeschlossen. Die DR wurde nach retinaler Photographie eingeordnet und die mittlere parafoveale mGCIPL-Dicke wurde mittels optischer Kohärenztomographie mit einem Abstand von mindestens 6 Monaten vom Ausgangswert gemessen.

Von 87 Augen von T2DM-Patienten zeigten 39 (44,8 %) eine zweistufige DR-Progression und 6 (6,9 %) eine PDR-Progression.

Patienten mit DR-Progression zeigten eine längere T2DM-Dauer, eine dünnere mGCIPL, eine höhere mGCIPL-Ausdünnungsrate, eine schwere kardiale autonome Neuropathie (CAN), eine niedrigere periphere Nervenleitgeschwindigkeit und einen höheren Wert des glykosylierten Hämoglobin A1c.

Die multivariate Regressionsmodellierung zeigte, dass die Ausgangs-mGCIPL-Dicke, die mGCIPL-Ausdünnungsrate, der CAN-Score und die Leitungsgeschwindigkeit der peripheren Nerven signifikante prädiktive Faktoren für die DR-Progression waren.


Longitudinal relationship between retinal diabetic neurodegeneration and progression of diabetic retinopathy in patients with type 2 diabetes, Kim K et al; Am J Ophthalmol. 2018 Sep 6, 30515-4.

Unterschiede der in der OCT-gemessenen minimale Randbreite und Retinaler Nervenfaserschichtdicke bei Menschen unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit

In dieser prospektive Kohortenstudie wurden Unterschiede in der geschätzten Veränderungsrate der Bruch-Membranöffnung – minimale Randbreite (BMO-MRW) und der zirkumpapillären retinalen Nervenfaserschichtdicke (RNFLT) bei gesunden, Glaukom-verdächtigen und Glaukom-Augen von Individuen europäischer (ED) und Afrikanischer Abstammung (AD) untersucht.

Diese Studie untersuchte die Veränderungsrate von BMO-MRW und RNFLT bei 124 gesunden, 227 Glaukom-verdächtigen und 177 Glaukom-Augen, die etwa 3 Jahre lang beobachtet und alle 6 Monate mit der OCT getestet wurden. Suspekte Augen hatten eine Vorgeschichte eines unbehandelten Augeninnendruckes ≥ 22 mmHg oder waren aufgrund von Papillen Photographien als Glaukom verdächtig eingestuft worden, ohne wiederkehrende, auffällige standardisierte Perimetrie (SAP)-Ergebnisse. Augen mit gesichertem Glaukom wiesen repetitive auffällige SAP-Ergebnisse auf (GHT ONL oder PSD ≤ 5 %).

Mixed-Effects-Modelle wurden verwendet, um die Änderungsrate nach Kontrolle für Alter, mittlere Follow-up-IOP, zentrale Hornhautdicke, axiale Länge und BMO-Areale zu schätzen.

Es wurde ein Unterschied bzgl. der ethnischen Herkunft in der Änderungsrate der globalen BMO-MRW, aber nicht der durchschnittlichen RNFLT bei verdächtigen Augen beobachtet.

Die ethnische Zugehörigkeit ist ein nicht zu vernachlässigender Faktor, wenn es um die Einschätzung von Strukturänderungen, insbesondere der minimalen Randbreite, bei Glaukom-verdächtigen Augen geht.


Racial differences in rate of change of spectral domain OCT-measured minimum rim width and retinal nerve fiber layer thickness..Bowd Cet al; Am J Ophthalmol. 2018 Sep 6;  pii: S0002-9394(18)30512-9

Sind die weit verbreiteten klinischen Risikofaktoren für das Wachstum choroidaler Nävi mit tatsächlicher maligner Transformation assoziiert?

Bei 207 chorioidalen melanozytären Tumoren < 3,5 mm Dicke wurde eine Fein-Nadel-Biopsie zur Zuordnung des Gen-Expressions-Profils (Klasse 1 oder 2) durchgeführt.

Das Klasse-2-Profil wurde als validierter Biomarker für die maligne Transformation eingesetzt. Die folgenden Daten wurden gesammelt: Alter und Geschlecht des Patienten, Tumordurchmesser und -dicke, Entfernung des hinteren Tumorrandes von der Papille und Vorhandensein oder Fehlen einer serösen Netzhautablösung, orange Lipofuszinpigment, Drusen, retinale Pigmentepithelfibrose, Atrophie des RPE, visuelle Symptome und dokumentiertes Tumorwachstum.

Keiner der weit verbreiteten sogenannten chorioidalen Nävus-Risikofaktoren für das Tumorwachstum oder dokumentiertes Wachstum selbst ist pathognomonisch für eine maligne Transformation, wie sie durch das Genexpressionsprofil der Klasse 2 definiert ist. Patientenalter und Tumordicke können hilfreich sein, um kleine chorioidale melanozytäre Tumore zu identifizieren, die eher das Klasse-2-Profil aufweisen. Die Beobachtung des Wachstums vor der Behandlung ist für die meisten Patienten mit suspekten chorioidalen Nävi weiterhin sinnvoll.


Are risk factors for growth of choroidal nevi associated with malignant transformation? Assessment with a validated genomic biomarker (an american ophthalmological society thesis), Harbour JW, Am J Ophthalmol. 2018 Sep 6. pii: S0002-9394(18)30506-3. [Epub ahead of print]

Rate hinterer Kapseldefekte bei der Femtosecond Laser-unterstützten Kataraktchirurgie

Ziel der Studie war es, die Komplikationsrate bzgl. posteriorer Kapseldefekte zwischen Femtosekunden-assistierter Laser-Katarakt-Operation (FLACS) im Vergleich zur manuellen Kataraktoperation bei einem erfahrenen Operateur zu untersuchen.

Es wurden als Single-Center-Studie 2.021 konsekutive FLACS-Verfahren überprüft, wobei alle posterioren Kapselrupturen (PCR) mit oder ohne Glaskörperprolaps oder Zonuladialyse (ZD), die eine intrakapsuläre IOL Platzierung verhinderten, eingeschlossen wurden.

Ergebnisse: 6 von 2.021 (0,3 %) Augen, die FLACS erhielten, hatten entweder eine PCR oder ZD. Ein Auge (0,25 %) von 403 Augen bei manueller Kataraktoperation hatte eine PCR. Es gab keinen signifikanten Unterschied in den Ergebnissen. Risikofaktoren waren fortgeschrittenes Alter, dichte Kerne, Pseudoexfoliation und kleine Pupillen. Nur ein einziger Fall in der FLACS-Serie wurde möglicherweise direkt dem FLACS-Verfahren zugeordnet.

Diese Studie legt nahe, dass es keinen signifikanten Unterschied in der PCC-Rate zwischen FLACS und manueller Kataraktchirurgie in der Hand eines erfahrenen Chirurgen gibt, der jährlich > 350 Fälle durchführt. Diese niedrige Komplikationsrate könnte von weniger erfahrenen Chirurgen erreicht werden, die FLACS anwenden.


https://www.dovepress.com/articles.php?article_id=40375

Anti-VEGF- Behandlung vor Vitrektomie bei komplizierter proliferativer diabetischer Retinopathie: eine Meta-Analyse von randomisierten kontrollierten Studien

14 randomisierte kontrollierte Studien mit 613 Patienten wurden bewertet; die Anti-VEGF Vorbehandlungsgruppe umfasste 289 Patienten und die Kontrollgruppe 324 Patienten.

Die Analyse zeigt, dass eine Anti-VEGF-Behandlung vor Vitrektomie bei komplizierter PDR den Operations- und Heilungsverlauf begünstigen kann: es kommt zu weniger intraoperativen Blutungen, geringerer Einsatz der Endodiathermie, kürzere Operationsdauer, weniger iatrogene Netzhautforamina, seltenere Verwendung von Silikonöl und Durchführung von Retinotomien (P < 0,05).

Darüber hinaus könnte eine Anti-VEGF-Vorbehandlung auch eine bessere postoperative bestkorrigierte Sehschärfe, weniger früh rezidivierende Glaskörperblutungen bzw. eine schnellere Resorption vitrealer Hämorrhagien (P < 0,05) erzielen. Die Häufigkeit rezidivierender Glaskörperblutungen, rezidivierender Netzhautablösungen oder eines damit verbundenen Folgeeingriffes konnte jedoch nicht reduziert werden (P > 0,05).


Antivascular endothelial growth factor agents pretreatment before vitrectomy for complicated proliferative diabetic retinopathy: a meta-analysis of randomised controlled trials; Zhao X, Xia S, Chen Y., Br J Ophthalmol 2018;102:1077–1085.

Spironolacton vs Beobachten bei RCS

In dieser prospektiv, randomisierten, kontrollierten klinische Studie wurden 30 Patienten mit akuter Retinopathia centralis serosa (RCS) eingeschlossen, darunter 18 Patienten, die mit Spironolacton (40 mg oral, zweimal täglich) für 2 Monate in der experimentellen Gruppe behandelt wurden und 12 Patienten, die als Kontrollgruppe ohne Therapie beobachtet wurden. Als Hauptziele wurde die eine vollständige Auflösung der subretinalen Flüssigkeit (SRF), Veränderungen der zentralen Makuladicke (CMT), der Höhe der SRF (SRFH), der bestkorrigierten Sehschärfe (BCVA) und der subfovealen Aderhautdicke (SFCT) definiert. Die Nachbeobachtungszeit betrug 2 Monate.

Ergebnis: Eine vollständige Auflösung der SRF wurde in 55,6 % (10/18) und 8,3 % (1/12) der Augen in der Behandlungsgruppe bzw. der Kontrollgruppe nach 2 Monaten erreicht.

Die mittlere CMT und SRFH sank signifikant bei jedem Besuch in beiden Gruppen (p < 0,05), und es gab signifikante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen nach 2 Monaten (p < 0,05 bzw. p < 0,05). Der BCVA verbesserte sich in beiden Gruppen nach 2 Monaten (p < 0,05). In der Behandlungsgruppe sank die mittlere SFCT-Ausgangslinie nach 2 Monaten signifikant von 502,50 ± 87,38 μm auf 427,44 ± 74,37 μm (p < 0,01), während die Veränderung von Baseline (von 480,33 ± 102,38 μm auf 463,75 ± 100,63 μm) in der Kontrollgruppe nicht signifikant war (p = 0,195). Aber die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in BCVA und SFCT waren nicht signifikant.

Die Ergebnisse zeigten, dass orales Spironolacton eine schnellere Resorption von SRF erreichen kann. Etwa die Hälfte der Augen in der Behandlungsgruppe erreichte kurzfristig eine vollständige Absorption der SRF ohne Nebenwirkungen.


Spironolactone versus observation in the treatment of acute central serous chorioretinopathy,, Sun X, Shuai Y,, Fang W, et al. Br J Ophthalmol 2018;102:1060–1065.