Behandlungsstrategien für die Presbyopie -jenseits der Versorgung mit Brillen, Kontaktlinsen und Intraokularlinsen-

-jenseits der Versorgung mit Brillen, Kontaktlinsen und Intraokularlinsen-

Die kristalline Linse ist eine durchsichtige, bikonvexe Struktur im Auge, die mit der Hornhaut, zum Großteil für die Brechung des Lichtes im Auge verantwortlich ist, um das anvisierte Objekt auf die Netzhaut zu fokussieren. In der Linse sind drei Klassen von Strukturproteinen zu finden: α, β, und γ Kristalline, die 90 % der Trockenbestandteile ausmachen. Zudem findet man dort Zuckerarten, Lipide, Wasser, Antioxidantien und Moleküle mit niedrigem Gewicht.

 

Nach der Hornhaut ist die Linse mit ca. 20dpt Brechkraft das zweit stärkste brechende Medium im Auge. Im Gegensatz zur Hornhaut ist die Linse flexibel und kann durch Akkommodation, also Änderung der Brechkraft durch Formveränderung, das Licht auf die Netzhautebene fokussieren. Dieser Prozess wird durch das autonome Nervensystem im Ziliarmuskel gesteuert.

 

Im Ruhezustand, wenn das Auge ein entferntes Objekt anvisiert, ist der Ziliarmuskel entspannt, wohingegen er sich bei einem näher kommenden Objekt kontrahiert. Durch diese Kontraktion kommt es zu einer Wölbung des vorderen Ziliarkörpers, was wiederum zu einer Entspannung der Zonulafasern führt, an denen die Linse zirkulär am Äquator aufgehängt ist. Dies führt dann zu einer zunehmenden bikonvexen Wölbung der Linse, also einem Lupeneffekt. Gleichzeitig konvergieren beide Augen und es kommt zu einer Pupillenverengung. Die Konvergenz, Akkommodation und Pupillenverengung verhindern in ihrem komplexen Zusammenspiel das Auftreten von Doppelbildern, die bei pathologischen Zuständen häufig zu binokularen Problemen führen.

 

Mit fortschreitendem Alter der Linse kommt es zu einer graduellen Reduktion der Transparenz, Flexibilität und einer Zunahme der Streuung und Abweichung von Lichtwellen und damit einhergehend zu einer Herabsetzung der optischen Leistungsfähigkeit des Auges. Was geschieht in der alternden Linse genau? Zunächst eine Abnahme der Diffusion von Wasser von außen in die Linse hinein und vom Kortex in den Nukleus; eine Veränderung der kristallinen Struktur aufgrund der Anhäufung von Molekülaggregaten mit hohem Gewicht sowie unlöslicher Proteine und schließlich die Produktion fortgeschrittener Glykations-End-Produkten, Lipid Anhäufung, Reduktion von reduzierten Gluthation und die Zerstörung von Askorbinsäure.

 

Nach der Helhmholtz-Theorie führt die Ziliarmuskel-Kontraktion zu einer verminderten Zonulaspannung, die es dem Objektiv ermöglicht, eine kugelförmigere Form zu nehmen und seine Kraft zu erhöhen. Wenn die Linse altert, verliert sie ihre elastischen Eigenschaften und ist nicht mehr in der Lage, die Zunahme der bikonvexen Form als Reaktion auf die Ziliarmuskelkontraktion und Entspannung der Zonulafasern zu erreichen, was dem Verlust der Akkommodation entspricht.

 

Zahlen aus dem Jahr 2005 gehen von über 1 Milliarde presbyopen Menschen in der Welt aus, Schätzungen zufolge ist im Jahr 2020 von 1.4 und 2050 von 1.8 Milliarden Menschen mit Altersweitsicht auszugehen.

 

Natürlich ist das Interesse von allen Seiten groß, jenseits der Lesebrille chirurgische und medikamentöse Therapiemöglichkeiten anbieten zu können.

 

In diesem Artikel werden im folgenden therapeutische Ansätze zur Behandlung der Presbyopie jenseits der Versorgung mit Brillen, Kontaktlinsen und Intraokularlinsen vorgestellt. Unterteilt sind diese therapeutischen Maßnahmen in Eingriffe an der Hornhaut (LASIK und PRK- PresbyLasik, Corneal inlays, konducktive Keratoplasty, Intracor) und pharmakologische Ansätze durch Erzeugung einer Miosis zur Verbesserung der Tiefenschärfe oder als komplett neuer therapeutischer Zugang durch medikamentöse Verabreichung von Augentropfen, die die Flexibilität der Linse wieder verbessern sollen.